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veröffentlicht am Samstag, 13.01.2018

Wiler Zeitung: Deutschkurse in Moschee: "Stadt sendet ein falsches Signal"


Der SVP-Stadtparlamentarier Erwin Böhi stört sich daran, dass die Quartierschule ihre Kurse in einer Moschee durchführt. Der Grundsatz der Verpflichtung zur konfessionellen Neutralität des Staates gelte auch für Gemeinden.

HANS SUTER

Die Quartierschule bietet spielerische Deutschkurse an und richtet sich an fremdsprachige
Ausländerinnen und Ausländer, insbesondere an Flüchtlinge. Dass diese Kurse ausgerechnet in der neuen
Wiler Moschee im Südquartier stattfinden, stört den SVP-Politiker. Am Donnerstag hat er deshalb eine
Interpellation unter dem Titel "Quartierschulen und Integration" eingereicht. Folgende zwei Fragen
richtet er darin an den Wiler Stadtrat:

1. Aus welchen Gründen veranlasste der Stadtrat, dass nach der Schulung der Kursleiter im islamischen
Begegnungszentrum auch der erste Sprachkurs dort durchgeführt wurde, obwohl es in Wil andere Räume
dafür gibt?
2. Ist der Stadtrat bereit, allenfalls auch in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden, die Kurse der
Quartierschule ab sofort in einer neutralen Lokalität durchzuführen? "Der Grundsatz der Verpflichtung
zur konfessionellen Neutralität des Staates gilt auch für die Gemeinden", argumentiert Erwin Böhi.

"Die Durchführung der Sprachkurse in einer Moschee kann bei der Zielgruppe der Quartierschule zu
Missverständnissen führen oder sie gar davon abhalten, teilzunehmen." Gerade bei Flüchtlingen sei es
möglich, dass sie vor fundamentalistischen Kräften hätten fliehen müssen. "Abgesehen davon sendet die
von der Stadt ausgewählte Lokalität ein völlig falsches Signal im Hinblick auf die Integration der
Teilnehmenden in die Gesellschaft, denn in der Schweiz wird die Religion als Privatsache angesehen",
argumentiert Böhi weiter. Nach seiner Auffassung muss die Quartierschule an einem neutralen Ort
stattfinden.

Kurslokale ohne jegliche Hemmschwelle

Im vergangenen Oktober fand im islamischen Begegnungszentrum in Wil ein Ausbildungskurs für die
Kursleiterinnen und Kursleiter der Quartierschule statt. Für den ersten eigentlichen Sprachkurs hat die
Stadt Wil wiederum die Moschee im Südquartier ausgewählt. "Zwar ist es verdankenswert, dass die
albanische muslimische Gemeinschaft einen Raum in ihrer Moschee für die Quartierschule kostenlos zur
Verfügung stellt", sagt Erwin Böhi. Es sei aber nicht nachvollziehbar, dass der Stadtrat dieses Angebot
angenommen habe. "Aufgrund der unterschiedlichen Herkunft und Religionszugehörigkeiten der
Teilnehmenden ist es zwingend, dass für die Sprachkurse eine Lokalität ausgesucht wird, die keinerlei
Hemmschwelle religiöser, kultureller oder anderer Natur aufweist", ist Erwin Böhi überzeugt. Alternative
Räume wären seines Erachtens im Stadtsaal, im Hof zu Wil, in der Liegenschaft Turm oder bei privaten
Anbietern verfügbar.

Das Wesen der Quartierschule

Seit Juli 2017 wird in den Gemeinden unter der Schirmherrschaft der Vereinigung der
St.Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten (VSGP) das Konzept der Quartierschule
für Fremdsprachige umgesetzt. Es richtet sich an alle Ausländerinnen und Ausländer. Die
Teilnehmenden sind jedoch hauptsächlich Personen des Asylbereichs. Mit dem Konzept sollen die
Deutschkenntnisse auf spielerische Art und Weise gefördert und Alltagsthemen behandelt werden, im
Hinblick auf die Integration dieser Personen. Die Teilnehmenden lernen zuerst die mündliche
Sprache. In einem zweiten Teil sind der Schreibunterricht und danach als dritte Stufe ein
Vertiefungskurs vorgesehen. Insgesamt umfasst das Konzept 60 Stunden
kommunikationsorientierten Sprachunterricht durch freiwillige Kursleiter aus der betreffenden
Gemeinde und richtet sich vor allem an Personen mit wenig Schulbildung, ebenso an Analphabeten.

 

 

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