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veröffentlicht am Donnerstag, 25.01.2018

Wiler Zeitung: Verbrechern einen Schritt voraus


Die Polizei wirft einen Blick in die Zukunft. Mit einer Software ist es möglich, Einbru?che vorherzusagen. Der Wiler Kantonsrat Erwin Böhi will wissen, ob ein Einsatz des Programms im Kanton gepru?ft wird.
GIANNI AMSTUTZ

In Wil gab es seit Jahresbeginn bereits sechs Einbruchdiebstähle, zuletzt am vergangenen Samstag. Wie
Hanspeter Kru?si, Mediensprecher der Kantonspolizei, bestätigt, wurden die Delikte von denselben Tätern
begangen. Noch konnte die Polizei die Identität der Diebe nicht ermitteln. Doch rund einen Viertel der
Einbruchsdelikte können aufgeklärt werden, wie Kru?si sagt. Dies ist dem Umstand zu verdanken, dass
Einbrecher oft mehrmals zuschlagen, wenn sie in einem Gebiet erfolgreich waren. Auf dieser Annahme
basierend, soll es nun möglich sein, Straftaten zu vorauszusehen, noch bevor diese veru?bt wurden.

Mit Software auf Verbrecherjagd
Die Software «Pre Crime Observation System», kurz Precobs, sagt voraus, wo und wann Verbrechen
geschehen. Tönt nach Science-Fiction, ist aber pure Statistik. Das Programm wertet Daten wie den Tatort,
die Tatzeit und die Vorgehensweise der Täter vergangener Delikte aus. Danach errechnet Precobs die
Wahrscheinlichkeiten von Verbrechen in den verschiedenen Gebieten zu bestimmten Zeiten. Es sind also
keine exakten Voraussagen, sondern lediglich Risikoeinschätzungen, die Precobs liefert. Doch das
ermöglicht der Polizei, ihre Patrouillen in Gebieten mit hoher Deliktwahrscheinlichkeit gezielt zu
verstärken.
Da das Programm versucht, Muster bei Verbrechen zu erkennen, kommt es vorläufig in erster Linie bei
Einbru?chen zum Einsatz. Nicht geeignet ist Precobs hingegen, um Gewalttaten vorherzusagen, da diese
vielfach im Affekt veru?bt werden und solche Delikte in der Regel nicht in einer Serie geschehen.
In mehreren Kantonen wird die Arbeit mit Precobs heute schon praktiziert. Die Aargauer Kantonspolizei
und die Stadtpolizei Zu?rich beispielsweise setzen bei der Einbruchsprävention auf die Software – mit
Erfolg. Wie die «Solothurner Zeitung» berichtet, ist die Zahl der Einbru?che im Kanton Aargau um 37
Prozent zuru?ckgegangen, seit Precobs im Einsatz ist. Auch in Zu?rich wurde ein Ru?ckgang von 30 Prozent
bei Einbruchsdiebstählen festgestellt, heisst es in einem Bericht der «Aargauer Zeitung».
Der Wiler Stadtparlamentarier und Kantonsrat Erwin Böhi (SVP) ist durch Medienberichte auf Precobs
aufmerksam geworden. In einer Einfachen Anfrage will der Politiker nun von der Kantonsregierung
wissen, ob die Kantonspolizei St. Gallen auch auf Software zur Prävention von Einbruchsdiebstählen setzt
oder beabsichtigt, in Zukunft mit einem Programm wie Precobs zu arbeiten. Als Auslöser fu?r seine Anfrage
fu?hrt Böhi die Einbruchsserie in Wil auf. Das Thema habe ihn aber schon längere Zeit beschäftigt. Mit
seiner Anfrage wolle er klären, wie die Haltung der Regierung zu Precobs sei und ob der Einsatz im Kanton
St. Gallen Sinn machen wu?rde. «Einbruchsprävention effektiv umzusetzen ist schwierig», betont Erwin
Böhi. «Precobs ist kein Wundermittel, kann aber als Ergänzung zu anderen Massnahmen helfen, die Zahl
der Einbruchsdiebstähle zu verringern.»

Bei der Kantonspolizei habe man Kenntnis von der Software, sagt Hanspeter Kru?si. «Eine Anschaffung ist
aber vorläufig weder geplant noch budgetiert.» Das sei ein strategischer Entscheid. Man verfolge
selbstverständlich den Einsatz und die Wirkung von Precobs in anderen Kantonen. Sollte sich zeigen, dass
die Software erfolgreich zur Verbrechensprävention beitrage, sei auch ein Einsatz im Kanton St. Gallen
pru?fenswert und möglich.

 

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