Alle Aktuellbeiträge

veröffentlicht am Donnerstag, 21.03.2019

Wiler Zeitung: Leserbrief Plakatkampagne und Rassismus


Die Stadt Wil hat im Rahmen der Aktionstage gegen Rassismus eine Plakatkampagne gestartet.  Das ist an sich lobenswert, aber die Art und Weise, mit der sie den Rassismus bekämpfen will ist fragwürdig, um nicht zu sagen kontraproduktiv. Das beginnt mit dem Begleittext der Kampagne, in welchem es absurderweise heisst, Rassismus sei Normalität. Diese Aussage kann nur damit erklärt werden, dass die Kampagnenleiter offenbar jegliche individuelle Kritik an einer Religion oder an einer Person aus einer anderen Kultur als Rassismus definieren. Damit verharmlosen sie allerdings das, was Rassismus wirklich ist, nämlich die pauschale Verunglimpfung von Menschen  aufgrund ihrer Religion, Herkunft oder Weltanschauung. Es ist unbestritten, dass es das gibt, aber der Generalverdacht, so wie ihn die Kampagne verbreitet ist falsch und geht unterschwellig ebenfalls in Richtung Verunglimpfung, in diesem Fall gegen die Einheimischen.

Es ist nutzlos, den Rassismus mit Plakaten bekämpfen zu wollen; dagegen braucht es wirksame Instrumente, allen voran das Strafrecht. Im Übrigen sendet die Plakatkampagne eine falsche Botschaft aus. Sie hebt die Unterschiede der einzelnen Nationalitäten und Religionen hervor und nicht die Gemeinsamkeiten des gesellschaftlichen Zusammenlebens. In der Schweiz legt man grossen Wert auf gegenseitigen Respekt und auf zivilisierten Umgang miteinander. Dies im Gegensatz zum abgrenzenden Stammes- und Clandenken, das  weder die gesellschaftlichen Regeln, noch die geltenden Gesetze anerkennen will.  Besser als eine belehrende Plakatkampagne wäre es, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, anstelle das trennende Nebeneinander des Multikulturalismus zu feiern.

Erwin Böhi

 

Alle Aktuellbeiträge