Alle Aktuellbeiträge

veröffentlicht am Donnerstag, 09.05.2019

Wiler Zeitung: Spitalregion liegt auf der Intensivstation


Die finanzielle Lage der Spitalregion Fürstenland Toggenburg ist so alarmierend, dass ab 1. November in Wattwil keine Operationen mehr durchgeführt werden und der Operationsbereich nach Wil verlegt wird. Aber auch die Zukunft des Spitals Wil ist ungewiss.

Hans Suter


Damit das Finanzgefüge der Spitalverbunde des Kantons St. Gallen nicht auseinanderfällt, hat der Verwaltungsrat vergangenes Jahr ein Vier-Standorte- Konzept vorgeschlagen: Fünf der neun St. Galler Spitäler würden demnach geschlossen. Davon betroffen wären Wattwil, Flawil, Rorschach, Altstätten und Walenstadt. Bestehen blieben das Zentrumsspital St. Gallen und die drei Standorte Wil, Uznach und Grabs, die zu Vollspitälern ausgebaut würden.
Gestern wurde bekannt, dass die finanzielle Situation der Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) so alarmierend ist, dass der Vernehmlassungsprozess nicht abgewartet werden kann. Als Sofortmassnahme zur Eindämmung des Millionendefizits werden ab 1. November im Spital Wattwil keine Operationen mehr durchgeführt – der Operationsbereich wird gänzlich nach Wil verlegt. Doch hat das Spital Wil diese Kapazität überhaupt?

Verdichten und konzentrieren

«Ja», sagt Felix Sennhauser, Verwaltungsratspräsident der Spitalverbunde des Kantons St. Gallen. Die Zauberworte, die es möglich machen sollen, heissen verdichten und konzentrieren. Durch diese Massnahme lassen sich zehn bis zwölf Arbeitsplätze streichen, was jährliche Kosteneinsparungen von rund einer Million Franken bewirken dürfte. Laut Felix Sennhauser werden die wegfallenden Stellen zum Teil über Fluktuationen oder andere Spitalverbunde aufgefangen. «Wenn Kündigungen nötig werden, gibt es einen individuellen Sozialplan», verspricht Sennhauser.

Das Spital Wil könnte in den nächsten Jahren aber selber zum Problemfall werden. Denn um das Jahr 2025 herum steht eine Totalsanierung oder ein Neubau des in die Jahre gekommenen Spitals an. Auf dem politischen Parkett war die Rede von Investitionen von rund 150 Millionen Franken, was Felix Sennhauser aber nicht bestätigt. Im Gegenteil: Der VR-Präsident räumt indes ein, dass ein Spital unaufhaltsam älter werde und man unweigerlich eines Tages vor dieser Frage stehen werde.

Dies dürfte die Gemüter neuerlich erhitzen. Dannzumal müsste aus pragmatischer Sicht auch eine interkantonale Lösung diskutiert werden. Will heissen: eine Schliessung des Spitals Wil zu Gunsten der Spitäler St. Gallen, Frauenfeld und Winterthur. Da es sich bei Spitalschliessungen aber um ein emotionales Thema handelt, reagiert die Politik anders.

Dessen ist sich auch der Wiler Kantonsrat Erwin Böhi bewusst. Er ist in der SVP-Fraktion Leiter des Fachbereichs Gesundheit und als solcher Mitglied der 21-köpfigen Spitalkommission des Kantonsrats. «Die Regierung denkt in Spitalregionen, die betroffene Bevölkerung in Spitälern», gibt Böhi zu bedenken. Dass nicht alle Spitalstandorte aufrechterhalten werden können, zieht er nicht in Zweifel. Er warnt aber: "Wil und Wattwil dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden." Zudem gibt er zu bedenken, dass eine Schliessung des Spitals Wattwil auch längerfristig Auswirkungen auf das Spital Wil haben würde: «Es braucht mehr Platz.»


Sollten sich Kantonsrat und Souverän dereinst für einen Neubau des Spitals Wil entscheiden, müsste die Standortfrage neu geklärt werden. Es gibt Anzeichen, dass es neben dem bestehenden Spital für einen zeitgemässen Neubau zu eng wäre und als Alternative das Areal der Psychiatrischen Klinik wieder in den Fokus rückt.

 

Alle Aktuellbeiträge