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veröffentlicht am Donnerstag, 20.09.2007 22.53 Uhr

St. Galler Tagblatt

Pressebericht: Podium zur freien Schulwahl


«Verein aktiver Eltern» lud zum Podiumsabend zum Thema «Schule – kein Thema für die Politik?»

Sollen Eltern die Schule ihrer Kinder frei wählen können? Mit dieser Frage setzte sich am Dienstag eine Podiumsrunde auseinander, zu welcher der «Verein aktiver Eltern» am Dienstag eingeladen hatte.

Christof Lampart

Unter der Moderation des Kommunikationsberaters Christoph Meier diskutierten Pia Amacher (Präsidentin der Elternlobby Schweiz), Marlies Angehrn (Stadträtin Wil, Ressort Bildung und Sport), Erwin Böhi (SVP-Kantonsrat) und Heinrich Lang (Generalsekretär des Departementes für Erziehung und Kultur des Kantons Thurgau) vor 30 Interessierten in der Kantonsschule Wil das Thema «Schule – kein Thema für die Politik?»

«Chancengerechtigkeit für alle»
Dabei stellte sich im Gespräch schnell heraus, dass das Gegenteil der Fall ist. Es werde viel gemacht, so der Tenor der Runde. Doch ebenso offensichtlich war, dass alle unter der «richtigen Lösung» etwas anderes verstanden. Zumindest als ausführlich die Frage diskutiert wurde, ob Eltern in der Wahl der Schule ihrer Kinder frei sein sollten. Für Pia Amacher ist dies ein Muss. Sie forderte «nicht Chancengleichheit, sondern Chancengerechtigkeit für alle» ein. Auch Kinder aus bildungsfernen Schichten müssten die Chance bekommen, eine gute Schule zu besuchen. «Heute können sich nur die Reichen eine andere Schule leisten. Was wir in der Schweiz haben, ist eine versteckte Wahl – und das ist nicht in Ordnung», echauffierte sich Amacher.

Die Dummen dem Staat?
Verbessern könne sich jede Schule, so Lang, aber das System gebe gewisse Vorgaben wie verbindliche Lehrpläne vor. Doch gerade in Sachen individualisierte Schule habe sich in den letzten Jahren in den Kantonen sehr viel getan, erklärte Lang. «Wer behauptet, dass die Staatsschule einen Einheitsbrei bietet, hat nichts verstanden», schimpfte Lang. Die freie Schulwahl lehnte er jedoch aus mehreren Gründen ab: Wer wählen möchte, muss an einem freien Markt aus mehreren Schulen aussuchen können. Naturgemäss wählten Eltern, die wählen könnten, für ihre Kinder immer die beste (Privat-)Schule aus. Das bedeute wiederum, dass die Schwachen oder Armen übrig blieben. «Und diese wären dann wohl kaum bei den Privatschulen willkommen, sondern müssten dann wieder von der Staatsschule übernommen werden», so Lang. Auch sei der wohl zu erwartende Mehrverkehr durch die zusätzlichen Schultransporte kaum wünschenswert und das Verteilen der Dorfjugend auf viele umliegende Schulen nicht gerade dem Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft zuträglich.

«Wann ist eine Schule gerecht?»
Auch für Marlies Angehrn ist die freie Schulwahl «kein Allzweckheilmittel». Vielmehr müssten sich Politiker, Lehrkräfte und Eltern grundlegende Gedanken über die Schule machen, ob diese die «Chancengleichheit fördern oder eine Sortieranstalt sein» solle. In diesem Zwiespalt stecke die Schule seit jeher, betonte Angehrn und fragte: «Wann ist eine Schule aus der Sicht aller Beteiligten gerecht?». Darauf wusste keiner eine Antwort. Auch Erwin Böhi nicht, der einfach monierte, dass der «Output» an den Schulen in den letzten zehn bis 15 Jahren schlechter geworden sei. Bei freier Schulwahl befürchtete Böhi «einen Exodus» – nämlich einen solchen von Schweizer Schülern an Schulen mit vielen weiteren Schweizer Schülern. Die Folge wäre eine «schlechtere Durchmischung» von bildungsfernen und -nahen Schichten. Und reine fremdsprachige Klassen wolle ja niemand in der Schweiz, denn «je mehr fremdsprachige Schüler es hat, desto tiefer das Niveau», so Böhi.

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