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veröffentlicht am Montag, 15.01.2007 22.57 Uhr

Wiler Zeitung

Pressebericht: Entwicklungshilfe soll nachhaltig sein


Im Restaurant Kreuz in Niederhelfenschwil fand die Jahresversammlung der SVP-Ortspartei statt

Niederhelfenschwil. Die SVP Ortspartei lud zum zweiten Teil ihrer Jahresversammlung Sales Huber und Erwin Böhi ein, welche über ihre Erfahrungen bei Entwicklungshilfe-Projekten berichteten.

Ernst Inauen

Die Traktanden der ordentlichen Jahresversammlung der SVP-Ortspartei im Restaurant Kreuz in Niederhelfenschwil nahmen nur wenig Zeit in Anspruch. Nach dem offerierten Imbiss eröffnete Präsident Markus Brägger den geschäftlichen Teil.

Politisch aktiv
Markus Brägger erwähnte in seinem Rückblick die Abstimmungsergebnisse sowie das Thema Gemeindefusionen. Es sei ein eigentlicher Trend zur aktiven Förderung von Gemeindefusionen feststellbar, der durch die Kantone zum Teil mit gesetzlichen Grundlagen, finanzieller Förderung oder Diktat von oben ausgelöst werde, bemerkte Brägger. Die SVP sei gegen erzwungene Fusionen. Kritisch beleuchtete Brägger auch die Auswirkungen des neuen Finanzausgleichs. Der steuerliche Unterschied zu den Nachbargemeinden werde noch grösser.

Der Ortsparteipräsident stellte im Weiteren die ehrgeizigen Ziele der SVP bei den Wahlen des eidgenössischen Parlaments vom Herbst 2007 vor. Wahlkampfleiter Toni Brunner erwarte in der deutschen Schweiz rund 60 000 Neuwähler. Auch im Kanton St. Gallen wolle man den Anteil von 33 Prozent, die bei den letzten Wahlen erreicht wurden, nochmals erhöhen.
Nur einige Brunnen

Sales Huber, Arzt in Niederhelfenschwil, berichtete über ein Entwicklungsprojekt in Afrika. Vor 30 Jahren habe er für einige Monate eine Vertretung für einen ausgefallenen Schweizer Arzt übernommen. Zehn Jahre später sei er anlässlich einer Reise nach Tanzania von einer Ordensschwester für eine Geldsammlung für ein Spital angefragt worden. In Endamarariek gab es damals für die 20 000 Einwohner ausser einem Gemeindehaus und einigen Brunnen keine Infrastruktur. «Ohne gross zu hinterfragen engagierte ich mich. Migros und der katholische Administrationsrat St. Gallen spendeten grössere Beiträge. Niederhelfenschwil ernannte das Spital zum Pfarreiprojekt. Innerhalb von vier Jahren kamen 120 000 Franken zusammen», erzählte Huber.

Finanzielle Mittel
Im Verlaufe der Jahre konnten ein Spital mit heute 60 Betten, einem Personalbestand von 40 Personen sowie eine Röntgenausrüstung und ein Operationssaal realisiert werden.

Daneben entstanden mehrere Kirchen, gewerbliche Werkstätten, eine Sekundar- und zwölf Primarschulen für insgesamt 5500 Schüler. Aus Eigeninitiative der Einheimischen entstand auch ein Gewerbezentrum mit Handwerkern und Läden. Nach dem Rückzug der weissen Missionare fehlten die finanziellen Mittel für den Unterhalt. «So habe ich mich entschlossen, eine Defizitdeckung von jährlich etwa 30 000 Franken zu garantieren. Damit kann das Spital wenigstens überleben», begründete der Referent sein Engagement. Mit Hilfe seines Freundeskreises bringe er die notwendigen Mittel zusammen. Eine kürzlich erlebte Geschichte einer Schulhausrenovation zeige auf, dass Afrika sehr viel positive Kraft in sich trage.

Gezielter Einsatz
SVP-Kantonsrat Erwin Böhi teilte die Meinung seines Vorredners, dass der gezielte Einsatz der vorhandenen Mittel sinnvoller sei als pauschale Verteilung von Hilfsgütern bei Entwicklungsprojekten. Aus seiner Erfahrung als Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz «IKRK» erzählte Erwin Böhi von negativen Beispielen. Lebensmittel- und andere Hilfsgüterverteilungen hätten in einigen Fällen die Existenz der Landbevölkerung beeinträchtigt. «Je übersichtlicher ein Projekt, desto grösser ist die Chance, dass die Spendengelder denen zugute kommen, die wirklich Hilfe brauchen», betonte Böhi.

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