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veröffentlicht am Samstag, 15.01.2011

Kolumne Wiler Nachrichten: Nein zur Initiative Freie Schulwahl


Am 13. Februar stimmen die Stimmberechtigten des Kantons St. Gallen über die Volksinitiative "Freie Schulwahl auf der Oberstufe ab". Diese sieht vor, dass die Eltern selbst entscheiden dürfen, in welchem Oberstufenzentrum ihre Kinder unterrichtet werden, unabhängig von ihrem Wohnort. Heute werden die Schulkinder von den Behörden denjenigen Schulhäusern zugeteilt, die am nächsten bei ihrem Lebensmittelpunkt liegen. Zudem sollen gemäss der Initiative die Gemeinden an die Eltern ein Schulgeld in der Höhe der durchschnittlichen Kosten für einen Oberstufenschüler bezahlen, wenn sie sich für eine Privatschule entscheiden.

Die Initianten versprechen sich von ihrem Vorhaben eine verbesserte Schulqualität weil die öffentlichen Schulen untereinander und gegenüber den Privatschulen einem Konkurrenzdruck ausgesetzt wären um die Schülerzahl auf einem wirtschaftlich vertretbaren Niveau zu halten. Sie sind überzeugt davon, dass die Eltern als Erziehungsverantwortliche die Bedürfnisse ihrer Kinder am besten kennen und daher sollten sie die geeignete Schule für ihr Kind frei wählen dürfen.

Soziale Entmischung und hohe Kosten
Die Schweiz hat mit offiziell rund 21 % der Gesamtbevölkerung einen der höchsten Ausländeranteile in Europa. Dieser ist bei den Schulpflichtigen noch viel grösser, da viele ausländische Familien mehr Kinder haben als die Schweizer. Die Wiler Schulstatistik illustriert dies anschaulich: Während der Anteil der ausländischen Schulkinder 1980 bei 16 % lag, belief er sich 1990 auf 23 %, im Jahr 2000 auf 38 % und 2009 stammten bereits 41 % der Wiler Schülerinnen und Schüler aus dem Ausland, mehrheitlich aus den Balkanstaaten.

Es ist davon auszugehen, dass es bei der Einführung der freien Schulwahl besonders in den städtischen Gebieten zu einer verstärkten sozialen Entmischung der Schulen kommen würde. Bereits heute ziehen viele Eltern bei der Wahl ihres Wohnorts den Ausländeranteil in den betreffenden Schulhäusern in Betracht und die Behörden erhalten regelmässig Gesuche von Eltern die ihre Kinder in die Schulen der "besseren" Quartiere schicken möchten, mit zum Teil fantasievollen Begründungen.

Wird die Initiative angenommen dann sind die Gemeinden verpflichtet, den Eltern eines Schulkinds das die öffentliche Oberstufe verlässt und in eine Privatschule wechselt die durchschnittlichen Kosten für einen Oberstufenplatz als Schulgeld mitzugeben. Diese belaufen sich nach den Berechnungen des kantonalen Bildungsdepartements auf rund 18'000 Franken pro Schüler. Da die Mehrheit der Eltern sich wohl trotzdem für den Verbleib ihrer Kinder in der gewohnten Schule entscheiden würde, müssten die betreffenden Gemeinden neben der Finanzierung der Privatschüler auch weiterhin die Schulinfrastruktur zur Verfügung stellen. Insgesamt würden die Kosten für die Schule, die schon heute in vielen Gemeinden den grössten Ausgabenposten ausmachen, noch weiter zunehmen.

Zwar scheint die Idee der freien Schulwahl auf den ersten Blick plausibel zu sein, sie hat aber bei genauerem Hinsehen gravierende Nachteile. So würde sie beispielsweise auch der Gründung von neuen Privatschulen für Bevölkerungsschichten mit speziellen Interessen, sei es religiöser, ethnischer oder wirtschaftlicher Natur Vorschub leisten. Dies wäre aber verheerend für die Rolle der Volksschule die neben der Erfüllung des herkömmlichen Bildungsauftrags in den letzten Jahren aufgrund der grossen Zuwanderung zu einem wichtigen Faktor für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Integration geworden ist. Aus all den erwähnten Gründen ist die Initiative zur freien Schulwahl auf der Oberstufe abzulehnen.

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