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veröffentlicht am Donnerstag, 25.09.2014

Artikel St. Galler Tagblatt: Jeder fünfte Mitarbeiter ist älter als 55


SVP-Politiker Erwin Böhi hat den Personalbestand der kantonalen Verwaltung studiert und festgestellt: Der Anteil älterer Mitarbeitender geht zurück. Sind sie benachteiligt oder gar unerwünscht?, fragt der Wiler Kantonsrat.

REGULA WEIK

ST. GALLEN. Arbeitnehmer ab 50 hätten zunehmend Probleme auf dem Arbeitsmarkt, hat gestern Ständerat Paul Rechsteiner in dieser Zeitung kritisiert. Noch dramatischer sei es ab 55 – das Alter sei in dieser Gruppe der wichtigste Faktor bei der Jobsuche, weit vor der Qualifikation oder dem Geschlecht. In den letzten zwei Jahrzehnten habe «eine schleichende Entwertung» der älteren Arbeitnehmer stattgefunden, hält Rechsteiner fest.

Die Frage treibt auch den Wiler SVP-Kantonsrat Erwin Böhi um. Anfang August hat er eine Einfache Anfrage eingereicht, denn er hat festgestellt: 18,9 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kantonalen Verwaltung sind zwischen 55 und 64 Jahre alt. 2008 habe ihr Anteil noch 23,2 Prozent betragen. Auch bei den Über-65-Jährigen zeige sich dieselbe Entwicklung: 2008 hatte ihr Anteil 5,9 Prozent betragen, 2012 waren es noch 1,4 Prozent.

Diese Trends beunruhigen Böhi. Er will deshalb von der Regierung wissen, wie sie den Rückgang älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der kantonalen Verwaltung erklärt. «Sind sie unerwünscht?», fragt er besorgt.

Tiefpunkt 2012

Nun liegt die Antwort der Regierung vor. Aktuell ist jeder fünfte Mitarbeitende der kantonalen Verwaltung älter als 55. Ihr Anteil hatte 2012 einen Tiefpunkt erreicht; dann gab es eine Trendwende: In den vergangenen 18 Monaten ist der Anteil älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder angestiegen – auf aktuell 20 Prozent. Als eine mögliche Erklärung dafür führt die Regierung das neue Personalgesetz an; neu gilt Pensionierungsalter 65, zuvor war 63 bis 65 möglich gewesen.

Die Regierung wagt auch eine Prognose: Sie rechnet damit, dass der Anteil der Über-55-Jährigen am Gesamtpersonalbestand weiter ansteigen wird – aufgrund der demographischen Entwicklung. Und sie blickt auch über die Landesgrenzen: 80 Prozent der 50- bis 64-Jährigen sind in der Schweiz erwerbstätig – im internationalen Vergleich eine hohe Quote.

Jünger und günstiger

Der Wiler Kantonsrat will weiter wissen, ob bei der Rekrutierung von neuem Personal Über-50-Jährige benachteiligt seien. Die Regierung verneint. Die kantonale Personalpolitik berücksichtige die Chancengleichheit «in umfassendem Sinne» – also auch die unterschiedlichen Altersgruppen. «Niemand soll aufgrund des Lebensalters benachteiligt werden», schreibt die Regierung in ihrer Antwort auf Böhis Vorstoss. Allerdings: Die kantonale Verwaltung muss aufs Geld achten. Und so heisst es dann eben auch: Es könne wegen des anhaltend hohen Spardrucks nicht ausgeschlossen werden, dass «in Einzelfällen» aus Kostengründen einer jüngeren Bewerberin oder einem jüngeren Bewerber der Vorzug gegeben werde.

Über 8000 Mitarbeitende

Auf der Lohnliste der kantonalen Verwaltung stehen aktuell 8330 Personen; ohne Lehrerinnen und Lehrer sind es 5297. 11 963 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in den Spital- und Psychiatrieverbunden sowie der Universität St. Gallen tätig.

 

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