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veröffentlicht am Mittwoch, 16.04.2008 19.33 Uhr

Wiler Zeitung

Pressebericht: Dem Schulschwänzen auf die Spur


Regierungsrätliche Antwort zur Interpellation «Absentismus (Schulschwänzen) und Delinquenz»>

Wie sieht es denn im Kanton St. Gallen in Sachen Schuleschwänzen aus? Erwin Böhi (SVP, Wil) hatte eine entsprechende Interpellation eingereicht, nun liegen die Antworten der Regierung vor.

Stefan Hauser

In seinem Vorstoss verwies Erwin Böhi auf einer Nationalfonds-Studie zum Thema «Schulabsentismus in der Schweiz Ein Phänomen und seine Folgen». Böhi hält fest: «Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die Schweizer Volksschule und darin vor allem Real- und Sekundarschulen mit einem zunehmenden Absentismus konfrontiert sind.» Gemäss der Studie habe gut die Hälfte aller Schüler im Laufe ihrer Schulzeit schon geschwänzt.

Zuständigkeit der Gemeinden
In seiner Interpellation erkundigt sich der Wiler Kantonsrat bei der Regierung nach entsprechenden Angaben aus dem Kanton St. Gallen: «Wie hoch sind die Absenzenzahlen in hiesigen Schulen? Und haben sich diese in den letzten Jahren verändert?» Das Bildungsdepartement verfüge über keine systematisch erfassten Daten über schwänzende Schülerinnen und Schüler: «Mit der Schulführung obliegt ebenfalls das Absenzenwesen den einzelnen Gemeinden. Eine nicht repräsentative Umfrage bei verschiedenen grösseren Schulträgern, die auch eine Oberstufe führen, hat jedoch ergeben, dass die Zahl der Absenzen in den letzten Jahren nicht zugenommen hat», so die St. Galler Regierung. Wie eine konsequenten Einhaltung der Absenzenkontrolle und dem damit verbundenen Beitrag zur Prävention der Jugendkriminalität gewährleistet werde, wollte Böhi in seiner Interpellation weiter wissen. «Kontrolle und Handhabung der Absenzen sind durch den Kanton nur rudimentär geregelt. In der Verordnung über den Volksschulunterricht ist dabei festgehalten, dass die Schulbehörde für die Bewilligung und Kontrolle der Abwesenheit der Schüler zuständig ist. Nicht bewilligte und unzureichend begründete Abwesenheiten oder längere Abwesenheiten, die sich nachteilig auf die Schulleistungen auswirken, sind im Zeugnis zu vermerken.» Die bereits erwähnte Umfrage bei den Schulträgern habe ergeben, dass die Absenzenkontrolle bei allen angefragten Schulen strikt angewendet werde. «Absenzen werden systematisch erfasst, und bei Auffälligkeiten wird rasch und konsequent reagiert. Die Eltern werden in jedem Fall informiert, und falls notwendig werden weitere Massnahmen eingeleitet, die von Einbezug der Schulsozialarbeit bis hin zur Androhung von Bussen reichen können.»

Gewisser Zusammenhang
Auf die Frage von Erwin Böhi, ob die Regierung auch überzeugt sei, eine strikte Absenzkontrolle könne einen präventiven Beitrag gegen Jugendkriminalität leisten, verweist die Regierung wieder auf die Nationalfonds-Studie: «Darin wird zwischen Schulabsentismus und delinquentem Verhalten ein gewisser Zusammenhang aufgezeigt.» Eine konsequente Absenzenkontrolle bei wiederholtem Schwänzen sei daher angezeigt und werde bereits durchgeführt. «Die Studie macht jedoch auch deutlich, dass bei Schulabstinenz ganz verschiedene Faktoren zusammenspielen – Schulabsentismus und Jugenddelinquenz können demnach nicht mit nur einer einzelnen Massnahme verhindert werden.

Zufrieden mit Antwort
Sicherheits- und Justiz- sowie Bildungsdepartement haben eine Studie beim Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich in Auftrag gegeben. Dabei sei das Mass an Jugenddelinquenz inner- und ausserhalb der Schule zu erheben und mögliche Ursachen sowie Einflussfaktoren zu erforschen. «Aus diesen Erkenntnissen verspricht sich die Regierung konkrete Empfehlungen zur Prävention», schliesst die regierungsrätlichen Antwort, mit der sich der Interpellant Erwin Böhi gestern zufrieden zeigte.

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