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veröffentlicht am Donnerstag, 29.10.2015

Kolumne Wiler Nachrichten: Behördliche Mogelpackung


Mit dem SBB-Fahrplanwechsel vom 13. Dezember wird ein Entlastungszug von Wil nach Zürich gestrichen, ausgerechnet zur Hauptverkehrszeit. Dies geschieht im Einvernehmen mit der St. Galler Regierung, die bewusst eine Angebotsverschlechterung für die Region Wil in Kauf nimmt. Dieser Leistungsabbau wird mit Kapazitätsproblemen und der grossen Bedeutung von schnelleren Verbindungen nach Zürich für die Stadt St. Gallen begründet. Die Beschleunigung ist allerdings relativ, denn während heute der ICN, inklusive Halt in Wil, von St. Gallen nach Zürich 65 Minuten braucht, wird der neue „Sprinter“ ab dem Fahrplanwechsel die gleiche Strecke, aber ohne Halt in Wil, in 62 Minuten zurücklegen.

 

In der Medienmitteilung der St. Galler Regierung zum bevorstehenden Fahrplanwechsel wird das allerdings ganz anders dargestellt. Als Aufhänger wird verkündet, die Reisezeit nach St. Gallen „mit Abfahrt westlich von Zürich“ werde sich um 18 Minuten verkürzen. Auf Anfrage erklärt die zuständige kantonale Behörde, dass damit der Streckenabschnitt Bern-St. Gallen gemeint sei. Diese Beschleunigung kommt aber nicht etwa dank der Aufhebung des Halts in Wil zustande, sondern vor allem weil mit dem neuen Durchgangsbahnhof in Zürich die Wartezeiten im Hauptbahnhof verkürzt werden können.

 

Diese Episode zeigt, wie Behörden die Tendenz haben, Mitteilungen so zurechtzubiegen, damit sie in der Öffentlichkeit möglichst gut ankommen. Im vorliegenden Fall wird versucht, die Angebotsverschlechterung zu verdecken, indem man eine einzelne Verbesserung herauspickt, die aber für die meisten Zugsreisenden aus Wil nur von nebensächlicher Bedeutung ist, nämlich der Zeitgewinn bei einer Reise von Bern nach St. Gallen. In der Politik nennt man das positive Kommunikation, die Werbebranche hat dafür eine passendere Bezeichnung: Mogelpackung.

 

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