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veröffentlicht am Donnerstag, 05.02.2015

Kolumne Wiler Nachrichten: Kann Wil ETH-Standort sein?


Die Industrie- und Handelskammer St. Gallen Appenzell (IHK) hat kürzlich einen ziemlich ungewöhnlichen Vorschlag gemacht. Dieser sieht vor, dass auf dem Areal Wil-West die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) eine Zweigstelle eröffnen soll. Gemäss der IHK wäre das Gebiet ein idealer Standort für die ETH, denn Forschungseinrichtungen und neue Unternehmen ergänzen sich und es täte der Schweiz gut, der Tendenz zur Zentralisierung in Zürich etwas entgegenzusetzen.

In der Tat hat der Verein Regio Wil, der 22 Gemeinden umfasst, ehrgeizige Pläne für die wirtschaftliche Entwicklung von Wil-West, dem weitläufigen Areal bei Gloten, das zwar mehrheitlich auf Thurgauer Gebiet liegt, aber dem Kanton St. Gallen gehört. Die Konkretisierung der Pläne ist näher gerückt seitdem klar ist, dass dort 2019 ein neuer Autobahnanschluss gebaut wird. Die Reaktionen auf den IHK-Vorschlag fielen verhalten bis herablassend aus. Einige Politiker bezeichneten die Idee als Hirngespinst und die ETH liess verlauten, sie habe keine Absicht, sich östlich von Winterthur niederzulassen. Schliesslich habe die Ostschweiz mit der EMPA in St. Gallen bereits ein ETH-Institut. Dass die ETH aus allen Nähten platzt und sie in den nächsten Jahren ihre Nutzungsfläche in Zürich wesentlich vergrössern will wurde allerdings bewusst nicht erwähnt.

Die IHK-Idee ist keineswegs aus der Luft gegriffen, denn in Wil-West hätte es genügend Raum für eine ETH-Zweigstelle, die zudem willkommene Arbeitsplätze für Hochqualifizierte mit sich bringen würde. Die ETH ist eine Institution des Bundes und somit ist es nicht nur am Kanton Zürich zu entscheiden, wo die Erweiterungsbauten realisiert werden.

Wäre für die vier Mitglieder des Nationalund Ständerats aus Wil die Vision eines ETH-Standorts bei uns nicht die Gelegenheit, sich in Bern zumindest für die Prüfung dieses innovativen Projekts einzusetzen?

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