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veröffentlicht am Samstag, 06.02.2010 15.10 Uhr

Wiler Nachrichten

Kolumne: Nein zur Rentenkürzung


Am 7. März stimmen wir darüber ab, ob die Zinsen für die Pensionskassengelder gesenkt werden sollen welche die Lohnempfänger jeden Monat einbezahlen. Der so genannte Umwandlungssatz wurde letztmals 2003 herabgesetzt und beträgt heute 6,8 %. Das heißt, pro 100000 Franken gespartes Kapital erhält man 6800 Franken Rente pro Jahr. Nun soll der Zins tiefer angesetzt werden, und zwar auf 6,4 %. Das sind zwar „nur“ 0,4 % weniger, würde aber bedeuten, dass die Rente für ein Durchschnittseinkommen um bis zu mehrere Tausend Franken pro Jahr gekürzt wird. 

Zinssenkung und Lebenserwartung
Das Hauptargument der Befürworter der Zinssenkung bezieht sich auf die steigende Lebenserwartung und damit auf einen längeren Rentenbezug, was die Pensionskassen über Gebühr belasten würde. Interessanterweise wurde das gleiche Argument bereits bei der Senkung des Zinssatzes 2003 gebraucht. Nun soll also das Ganze mit der gleichen Erklärung wiederholt werden. Das ist nicht nachvollziehbar. Zum einen zeigen neueste Studien, dass die Lebenserwartung voraussichtlich nicht mehr im gleichen Mass steigen wird wie in den letzten Jahrzehnten, wenn überhaupt. Dies vor allem aufgrund der eher ungesunden Lebens- und Ernährungsweise der jüngsten Generationen, bei denen beispielsweise die Zahl der Übergewichtigen immer grösser wird. Zum anderen haben sich die Aktienmärkte wieder erholt und damit auch die finanzielle Lage der meisten Pensionskassen, von denen einige dank ihrer vernünftigen Anlagepolitik auch in den letzten Jahren eine gute Rendite erwirtschaftet haben. Denjenigen, denen es weiterhin schlecht geht haben dies in der Regel selbst verschuldet, weil sie in den letzten Jahren ähnlich unberechenbare Anlagerisiken eingegangen sind wie viele  Banken, die durch ihre wilden Spekulationen die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds getrieben haben.

Umverteilung zugunsten der Finanzgesellschaften
Es ist nicht erstaunlich, dass sich mächtige Interessengruppen ins Zeug legen, um die Stimmberechtigten zu  einem Ja zu bewegen. Es geht um sehr viel Geld, denn jede Senkung des Zinssatzes hat das Potenzial für eine Gewinnsteigerung der Finanzgesellschaften. Aufgrund der Kleinräumigkeit der Schweiz gibt es eine enge personelle Verflechtung in den Verwaltungsräten der Banken, Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen. Dies führt dazu, dass sich auf der Führungsebene wohl  zahlreiche Leute befinden die ihren Teil zum Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems im Herbst 2008 beigetragen, bzw. vorher davon kräftig profitiert haben. Nun bearbeiten sie mittels einer teuren Abstimmungskampagne die Stimmberechtigten, um ihnen eine Kürzung ihrer Rente schmackhaft zu machen. Aufgrund dieser nicht ganz uneigennützigen Haltung sollten auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine Hemmungen haben um ihre ureigenen Interessen wahrzunehmen. Am 7. März geht es also darum, gegen die Änderung des Umwandlungssatzes zu stimmen und ein Nein auf den Stimmzettel zu schreiben.

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