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veröffentlicht am Donnerstag, 19.09.2013

Wiler Nachrichten: Offener Brief an Charly Pichler


Lieber Charly Pichler

Ich schreibe Ihnen wegen  der Politikerschelte, die Sie in ihrer Kolumne „Post von Pic“ veröffentlicht haben. Sie zitieren den Amerikaner John Malkovich, den Sie als den besten Schauspieler aller Zeiten bezeichnen, und der zu einem eigentlichen Rundumschlag gegen die Politikerinnen und Politiker ausgeholt hat. Auch ich finde, Malkovich ist ein ausgezeichneter Schauspieler, aber sein Urteil über die Politik ist  vermutlich  von seinem Streit mit den französischen Steuerbehörden beeinflusst, was schlussendlich dazu führte, dass er seine Wahlheimat Frankreich verlassen hat und zurück in die USA ging.  

Auch Ihre Objektivität gegenüber uns Politikern, Herr Pichler, ist offensichtlich getrübt. Vielleicht schauen Sie ja zu viele amerikanische Filme und Fernsehserien, in denen die Politiker im Allgemeinen schlecht wegkommen und oft als korrupte Bösewichte dargestellt werden. Dass Sie diesen Eindruck aber auf die Schweizer Politik übertragen ist völlig daneben. Die Politikerinnen und Politiker  auf Bundes- Kantons- und Gemeindeebene sind, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, nur in den seltensten Fällen  die Kampfkatzen oder die Streithähne, die Sie beschreiben. Im Gegenteil, sie versuchen aufrichtig und mit grossem persönlichem Einsatz, ihren Wählerauftrag zu erfüllen. Was Sie als Gekreische und Tumult bezeichnen ist in Wirklichkeit die Debatte, die schlussendlich zur demokratischen Entscheidungsfindung führt. Dieser Prozess endet in der Regel mit  einem  Kompromiss, der ziemlich nahe an das Allgemeinwohl herankommt denn er berücksichtigt viele verschiedene Interessen.

Die Politiker sind das Spiegelbild der Gesellschaft und sie sind auch nur Menschen. Somit gibt es auch unter uns sicherlich einige Nullen, wie Sie das nennen, aber ich bezweifle, dass es mehr sind als beispielsweise unter den Journalisten.

Erwin Böhi, Kantonsrat, Wil

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