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veröffentlicht am Samstag, 13.08.2011

Kolumne Wiler Nachrichten: Bahnhofpatenschaft für Wil


Die Gegend um den Bahnhof Wil, insbesondere der Bahnhofsplatz selbst, wird in den Abend- und Nachtstunden immer mehr zu einem Treffpunkt verschiedenster Gruppierungen und Einzelpersonen die ihre mehr oder weniger lärmigen Treffen dort abhalten. Die Festivitäten sind manchen Passanten nicht geheuer und vor allem ältere Menschen wagen nach Einbruch der Dunkelheit kaum mehr, alleine über den Bahnhofsplatz zu gehen.    

 

Die Nebeneffekte der Trinkgelage sind jeweils besonders am Morgen danach  offensichtlich: ein mit Abfall übersäter Platz, Scherben und Verschmutzungen jeglicher Art tragen nicht dazu bei, den ohnehin angeschlagene Ruf unserer Stadt zu verbessern. Während die zuständigen Behörden argumentieren, die Situation auf dem Bahnhofsplatz sei nicht schlimmer als anderswo zeigen ihre Bemühungen, etwas wirksames dagegen zu tun keine nachhaltige Wirkung. Die geplante Videoüberwachung wurde vom Stadtparlament wegen ihrer extrem hohen Kosten zurückgewiesen und eine Neuauflage lässt weiterhin auf sich warten. Während die Planer über einem neuen Projekt brüten versucht die Polizei, unterstützt von Angehörigen privater Sicherheitsfirmen und den fleissigen Reinigungsteams der SBB, die Gegend nicht völlig im Chaos versinken zu lassen. Deren punktuelle Anwesenheit nützt aber nicht allzu viel, denn es hat sich offenbar herumgesprochen, dass man in Wil nicht nur die Besetzung des öffentlichen Raums durch einzelne, aufdringliche Gruppen toleriert, sondern auch kaum etwas dagegen unternimmt, dass Wil mittlerweile als landesweit bekannter Treffpunkt der motorisierten Stadtraser gilt deren Ausgangspunkt oft der Bahnhofplatz ist.

  

Der Stadtrat ist gefordert 

Das man solchen unerwünschten Entwicklungen ohne grossen Aufwand und auch mit innovativen Mitteln entgegenwirken kann zeigen andere Gemeinden auf. In rund zehn Schweizer Städten, darunter Frauenfeld und Buchs gibt es das SBB-Projekt Bahnhofpatenschaften. Die Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls, die Förderung von sozialer Verantwortung und Zivilcourage im öffentlichen Raum sind ebenso Ziele des Projekts wie die Imageverbesserung der betroffenen Stadt. Die Erfahrungen mit dem Projekt sind überall sehr gut, allen voran unter dem Aspekt der Prävention, denn die Situation hat sich in praktisch allen betroffenen Bahnhöfen merklich verbessert.  

Die Bahnhofpatinnen und –paten sind Freiwillige unterschiedlichen Alters, öfters auch Pensionierte, welche die Bahnhofsareale patrouillieren um auf freundliche, aber bestimmte Art und Weise  für Ordnung zu sorgen, indem sie beispielsweise Jugendliche auffordern, ihren Abfall nicht einfach liegenzulassen oder sich um alkoholisierte Leute kümmern. Auch  Bahnreisenden wird geholfen falls sie etwa Mühe haben, mit einem Billetautomaten zurechtzukommen. Die Frauen und Männer die sich für die Bahnhofpatenschaft zur Verfügung stellen werden von den SBB und dem Schweizerischen Roten Kreuz auf ihre Aufgabe vorbereitet  in dem sie Kurse zur Konfliktbearbeitung besuchen. Die SBB und die betreffende Gemeinde übernehmen gemeinsam die Trägerschaft für das Projekt, wobei letztere zuständig ist für die Rekrutierung der Freiwilligen, für die Einsatzplanung, die Adressliste und die bescheidenen Entschädigung der Patinnen und Paten welche in den meisten Fällen in Form von Einkaufs- oder Reisegutscheinen ausbezahlt wird.

Selbstverständlich sind die Bahnhofpaten nicht etwa da, um die Polizei zu ersetzen sondern sie leisten einen niederschwelligen Beitrag an die öffentliche Sicherheit und können oft brenzlige Situationen entschärfen, ohne dass die Polizei eingreifen muss. 

Der Bahnhof Wil erfüllt alle Voraussetzungen, um die Bahnhofpatenschaft einzuführen. Dies wäre durch einen einfachen Beschluss des Stadtrats möglich, den ich hiermit bitte, dies zu tun.

 

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