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veröffentlicht am Donnerstag, 12.05.2011

Kolumne Wiler Nachrichten: Strompreis und Redlichkeit


Der Wiler Stadtrat hat  eine neue Preisgestaltung für den Strom angekündigt der von den Technischen Betrieben Wil (TBW) geliefert wird. Rückwirkend auf den 1. April soll für Privat- und Gewerbekunden grundsätzlich  der höhere Tarif für Naturstrom gelten, d.h. für Elektrizität die aus erneuerbarer Energie wie Wasserkraft, Biomasse oder Sonnenenergie gewonnen wird. Wer weiterhin den billigeren Strom  aus Kernkraftwerken beziehen will muss das bei den TBW ausdrücklich verlangen, sonst gilt automatisch der höhere Tarif. Bisher war es genau umgekehrt; nur denjenigen Abnehmern die sich explizit für Naturstrom entschieden wurde der höhere Tarif berechnet. Das Interesse war aber bescheiden, denn lediglich 1 % der Kunden wollten den teuren Strom.

 

Nur die Kleinen bezahlen mehr

Gemäss Presseberichten sind die industriellen Kunden der TBW, die zusammen rund die Hälfte des Wiler Stroms verbrauchen nicht von der Systemänderung betroffen. Der Stadtrat hat sich das Ganze offensichtlich gut überlegt denn er ging vermutlich zu Recht davon aus, dass die Grossverbraucher diese rückwirkende, trickreiche Preistreiberei nicht akzeptieren würden. Er spekuliert vielleicht auch darauf, dass ein Grossteil der Privatkunden den Systemwechsel vermutlich erst realisieren wird wenn die höhere Stromrechnung bezahlt werden muss. Das wäre dann der zweite Preisschub dieses Jahr, denn bereits am 1. Januar haben die TBW den Strompreis zwischen 7 % und 9 % erhöht.

 

Mogelpackung

Es ist völlig unangebracht, dass ein Unternehmen wie die TBW das im Besitz der Allgemeinheit ist mit den Kunden auf diese intransparente Art und Weise umgeht. Aber die TBW gehen sogar noch weiter, denn sie gaukeln den Stromkunden vor, sie könnten dank dem höheren Tarif ihren Strombezug aus Kernkraftwerken verringern, bzw. darauf verzichten und dafür Elektrizität aus erneuerbaren Quellen wie etwa der Wasserkraft bekommen. Das ist grundfalsch, denn es ist technisch unmöglich, diese Unterscheidung beim Endkunden zu machen und der Wiler Strom kommt weiterhin aus fast 75 % Kernenergie und 20 % Wasserkraft. Der Rest stammt aus der Abfallverwertung oder aus  Quellen, die gemäss TBW nicht einmal ihnen selbst bekannt sind; trotzdem versprechen sie ihren Kunden, sie könnten ihren individuellen Strommix selbst bestimmen. In Tat und Wahrheit bezahlt man einfach mehr für den genau gleichen Strom. Eine private Unternehmung hätte wohl Skrupel so vorzugehen, denn sie würde sogleich von den Medien und den Konsumenten ins Visier genommen werden. Als Monopolbetrieb glauben die TBW offenbar, sich diese Vorgehensweise  leisten zu können.

 

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