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veröffentlicht am Donnerstag, 20.06.2013

Kolumne Wiler Nachrichten: Das Kopftuch und die Schule


In Au-Heerbrugg wurden  kürzlich zwei muslimische Flüchtlingsmädchen aus Somalia vorübergehend von der Schule verwiesen, nachdem sie darauf bestanden hatten, ihr Kopftuch im Schulzimmer anzubehalten. Die Schulbehörde kam aber rasch auf ihren Entscheid zurück, da sie von verschiedenen Seiten kritisiert wurde, darunter vom Islamischen Zentralrat der Schweiz, eine Splittergruppe von Fundamentalisten, von der sich die gemässigten Muslime in der Schweiz wiederholt distanziert haben. Während in Leserbriefen und Leserkommentaren das Kopftuchverbot von einer grossen Mehrheit begrüsst wurde, beschloss man in Au-Heerbrugg den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Das Schulreglement wurde geändert und das darin enthaltene Verbot von Kopfbedeckungen kurzerhand gestrichen. Diese Kompetenz liegt bei der Schulgemeinde weil es gegenwärtig nur eine Empfehlung des Erziehungsrats für ein solche Verbot gibt, das aber rechtlich nicht bindend ist.

 

Kulturelles oder religiöses Symbol

Im Gegensatz zu den älteren Musliminnnen in der Schweiz ist das Tragen eines Kopftuchs für die jungen Musliminnen in der Regel nicht ein kulturelles Symbol, sondern Ausdruck ihrer Religion. Damit wird es aber auch als ein Zeichen der Abgrenzung gegenüber ihrem nicht-muslimischen Umfeld wahrgenommen. Als solches sollte es aber in der Volksschule nicht zugelassen werden, denn diese hat ihre religiöse Neutralität zu wahren, was unter anderem auch dazu geführt hat, dass in den Schulzimmern Kruzifixe entfernt werden mussten. Das zentrale Problem in dieser Angelegenheit ist die Integrationsbereitschaft der Eltern, und nicht etwa jene der beiden Mädchen. Die Eltern und ihre sieben Kinder sind anerkannte Flüchtlinge und haben somit das Recht, für immer in der Schweiz zu bleiben. Dürfte man da von ihnen nicht ein gewisses Mass an Respekt gegenüber unseren Sitten und Bräuchen erwarten?  Die Eltern behaupten, es sei der Wunsch der Kinder, mit Kopftuch die Schule zu besuchen. Das ist aber mehr als fraglich, denn in einer patriarchalisch organisierten Familie wie das der somalischen Kultur entspricht, sind es wohl kaum elf- und zwölfjährige Mädchen, die selbständig eine solche Entscheidung treffen.

Die Schulgemeinde Au-Heerbrugg  könnte von den Wiler Schulbehörden lernen, wie man mit dieser Frage umgehen kann. Obwohl die Zahl der  muslimischen Schülerinnen in Wil ständig wächst, trägt kein Mädchen ein Kopftuch während des Schulunterrichts. Zwar gibt es immer wieder Eltern die darauf bestehen, dass ihre Tochter mit Kopftuch in die Schule gehen soll. Mit ihnen wird aber das Gespräch gesucht und klargemacht, welche Regeln und Werte in der Volksschule gelten. Das hat bisher noch immer zu einer Lösung geführt, die dem  Grundsatz der religiösen Neutralität der Schule Rechnung trägt, ohne dass die Religionsfreiheit verletzt würde. Man muss davon ausgehen, dass nicht überall die Schulbehörden mit der gleichen Konsequenz und Energie diese Problematik angehen wollen oder können, wie das in Wil getan wird. Aus diesem Grund wäre es wohl das Beste, wenn der  Kantonsrat das Volksschulgesetz mit einem in allen Schulgemeinden gültigen Kopfbedeckungsverbot ergänzen würde.

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