Alle Aktuellbeiträge

veröffentlicht am Donnerstag, 14.05.2015

Kolumne Wiler Nachrichten: Öffentliche (Un-)Sicherheit


Vor einem Jahr hat der Stadtrat 500 repräsentativ ausgewählte Personen telefonisch zur öffentlichen Sicherheit in Wil befragen lassen und nun liegen die Resultate vor:  51 % der Befragten fühlen sich tagsüber sehr sicher. Nach Einbruch der Dunkelheit meiden aber 27 % den Bahnhofbereich und 63 % betrachten ihn als unsicher. Dieser Wert ist miserabel, überrascht aber niemanden, der regelmässig abends in Wil mit dem Zug ankommt. Zwar hat sich die Anwesenheit der zwielichtigen Gestalten in der Fussgängerunterführung seit der Videoüberwachung vermindert, oben auf dem Bahnhofplatz herrscht aber weiterhin eine latent aggressive Stimmung. Sogar die Rundschau des Schweizer Fernsehens hat darüber berichtet.

Als Reaktion auf ein so schlechtes Umfrageergebnis müsste man meinen, die Behörden würden wirksame Sofortmassnahmen ergreifen. Nicht so der Wiler Stadtrat, denn stattdessen verlangt er von den Medien eine positivere Berichterstattung. Auch will er, um Vorurteile gegen Ausländergruppen und Randständige abzubauen, am Bahnhof Begegnungsmöglichkeiten schaffen und   mit einfachen gestalterischen Massnahmen den Bahnhofplatzes angenehmer wirken lassen. Also viel Kosmetik und wenig konkretes. Dabei gäbe es durchaus einen unkomplizierten und kostengünstigen Weg, um die Atmosphäre zu verbessern und den ich im Übrigen wiederholt vorgeschlagen habe, nämlich die Bahnhofpatenschaft. Wie anderswo könnten auch in Wil von den SBB  auf ihre Aufgabe vorbereitete Freiwillige regelmässig im Bahnhofsbereich in Zweierteams Präsenz markieren. Die Erfahrung zeigt, dass bereits ihre Anwesenheit deseskalierend wirkt. Der Anstoss zur Bahnhofpatenschaft muss allerdings von der betreffenden Gemeinde kommen. Schwer verständlich, warum es dieses Projekt in Wil immer noch nicht gibt.

Alle Aktuellbeiträge