Alle Aktuellbeiträge

veröffentlicht am Samstag, 15.12.2012

Wiler Zeitung

Pressebericht "Luxusabteilung" im Spital Wil


Kantonsrat Erwin Böhi kritisiert die Investition zur Modernisierung der Abteilung für Privat- und Halbprivatversicherte am Spital Wil. Die Kantonsregierung und das Spital sehen darin eine Massnahme, um überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben.

SILVAN MEILE

WIL. Vor knapp zwei Monaten präsentierte das Spital Wil die neu umgebaute Privatabteilung. «Wir haben in den vergangenen Jahren bei den privat- und halbprivat- versicherten Personen betreffend Komfort an Terrain verloren», sagte René Fiechter, CEO der Spitalregion Fürstenland Toggenburg. Um nun diesem Kundensegment in einer gestiegenen Konkurrenzsituation seit der Einführung der neuen Spitalfinanzierung anfangs 2012 unter den Spitälern nicht nur eine zeitgemässe, sondern auch eine moderne Infrastruktur zur Verfügung stellen zu können, ist die ganze Etage der Privatabteilung mit zwölf Zimmern für insgesamt 17 Patienten modernisiert worden. Ausserdem führte man einen Hotellerieservice ein, um auch im kulinarischen Bereich auftrumpfen zu können. 560 000 Franken hat das gekostet. Eine viel zu grosse Investition ohne erkennbaren medizinischen Mehrwert, findet SVP-Kantonsrat Erwin Böhi. Er gelangte mit einer Einfachen Anfrage an die Regierung des Kantons und bezeichnete die Modernisierung im Wiler Spital als «Luxusabteilung». Unter anderem stellte er die Frage, wie die Regierung die Anstellung von nichtmedizinischem Personal für die neue Hotellerie rechtfertige, «wenn gleichzeitig im Pflegebereich aus Kostengründen der Arbeitsdruck auf das Pflegepersonal steigt»?

Keine Steuergelder für Umbau

Zur Personalfrage verweist die Regierung auf Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von diplomiertem Pflegepersonal. Deshalb sei es wichtig, «das diplomierte Pflegepersonal von Aufgaben zu entlasten, die nicht direkt mit der Pflege und Betreuung von Patienten zusammenhängen». Der Einsatz von Hotelservicepersonal gehöre heute zum Standardleistungsangebot einer Privatabteilung. Luxuszimmer, wie sie an verschiedenen Privatkliniken betrieben würden, seien aber weder am Spital Wil noch in anderen öffentlichen Spitälern des Kantons St. Gallen anzutreffen, hält die Regierung in ihrer Antwort fest. Die öffentlichen Spitäler müssten aber verstärkt auch den höheren Ansprüchen und Erwartungen der Patienten Rechnung tragen. Die Behandlungen von zusatzversicherten Patienten sei aber nicht nur für Privatspitäler von Bedeutung, da damit Zusatzerträge erwirtschaftet werden könnten, die für Investitionen oder zur Querfinanzierung nicht kostendeckender Tarife in der allgemeinen Abteilung verwendet werden könnten. Weil das Spital Wil bezüglich höheren Ansprüchen und Erwartungen der Patienten nicht mehr konkurrenzfähig gewesen sei, habe die Spitalregion Fürstenland Toggenburg entschieden, die notwendigen Massnahmen zu treffen, heisst es aus St. Gallen. Der Umbau sei nicht etwa mit Steuergeldern, sondern «aus Behandlungserträgen von Zusatzversicherten» finanziert worden.

«Völlig übertriebene Investition»

Erwin Böhi sagt, dass er die Notwendigkeit eines erhöhten Komforts für Privatversicherte durchaus anerkenne. Die Höhe von einer halben Million Franken für die getätigte Investition erachtet er aber als «völlig übertrieben». Bezüglich Finanzierung zeigt sich Böhi erstaunt darüber, dass der Umbau der Privatabteilung offensichtlich mit Prämiengeldern finanziert werden konnte beziehungsweise dass deren Überschuss genug gross dafür ist. Ein öffentliches Spital solle gar nicht erst versuchen, den Privatkliniken auf der Ebene des Komforts Konkurrenz zu machen, findet der Wiler Kantonsrat.

Regierung stützt das Spital

Gemäss Spital-CEO Fiechter kann man die verstärkte Konkurrenzsituation auch gegenüber den Privatkliniken nicht wegreden. Er verstehe aber auch, dass kritische Haltungen eingenommen werden, wenn das Thema Krankenkassenprämien tangiert sei. Eine Luxusstation habe man am Spital Wil aber nicht gebaut, sondern in einem veränderten Umfeld hin zu mehr Wettbewerb eine sinnvolle Investition getätigt. Die Antwort der Regierung stützte das Spital Wil auf seinem Weg in die Zukunft. Bereits habe man auch im Bereich der allgemein Versicherten Investitionen ins Auge gefasst. Fiechter betont ausserdem, dass in medizinischen Belangen weiterhin keine Differenzierung zwischen privat- und allgemeinversicherten Patienten gemacht werde.

 

Alle Aktuellbeiträge