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veröffentlicht am Donnerstag, 19.01.2012

Kolumne Wiler Nachrichten: Politik und Anstand


Politik und Anstand

 

In der jüngsten Vergangenheit gab es in der Schweiz eine Reihe von Ereignissen die gezeigt haben, wie sich in den letzten Jahren das politische Klima verändert hat. Harte politische Auseinandersetzungen sind bei uns eine eher neue Erscheinung, während sie in anderen Ländern schon länger üblich sind. Die Debatten im deutschen Bundestags oder in  der französischen Nationalversammlung können von einer Gehässigkeit sein die einem als Schweizer Beobachter verwundern. In einigen Ländern, darunter etwa Japan sind sogar Handgreiflichkeiten unter Parlamentariern keine Ausnahmeerscheinung und auch in Italien kommt es gelegentlich zu Rempeleien zwischen Abgeordneten denen die Argumente ausgegangen sind. Das gibt es bei uns nicht und soweit darf es auch nicht kommen.

 

Politik als Spiegel der Gesellschaft

Es ist eine Tatsache, dass der Umgangston heutzutage im allgemeinen rauher geworden ist. Rücksichtsloses und aggressives Verhalten auf den Strassen, Gemeindebehörden die von ihren Klienten bedroht werden, aber auch Pöbeleien und Vandalismus in den Schulen sind keine Ausnahmeerscheinungen mehr und manche Eltern sind mit  der Erziehung ihrer Kinder schlicht überfordert.  All dies sind untrügliche Zeichen einer gewissen Verrohung und somit ist es  nicht erstaunlich, dass dieser Trend auch vor der Politik nicht Halt gemacht hat.  Sich hinter gesellschaftlichen Entwicklungen zu verstecken darf aber für Politiker keine Ausrede sein denn eigentlich müssten sie eine Vorbildfunktion einnehmen. Das heisst aber keineswegs, die politische Streitkultur darf abgewürgt werden denn sie ist Teil des demokratischen Prozesses der Entscheidungsfindung. Aus eben diesem Grund sollten überempfindliche Menschen jedoch die Finger vom politischen Geschäft lassen; schliesslich wird auch niemand Koch, der  Hitze und Dampf nicht verträgt.

 

Wie immer sind Verallgemeinerungen nicht sachgerecht und im Gegensatz zu dem was die Gegner in der Politik und den Medien ihr gerne unterstellen ist auch die SVP nicht grundlegend verschieden von den anderen Parteien. Gerade wir Ostschweizer Politiker sind gewiss nicht grobschlächtig und auch bei bedeutenden Meinungsdifferenzen im Kantonsrat behandeln wir unsere politischen Mitbewerber mit Respekt und Anstand. Natürlich gibt es in einer grossen Volkspartei wie der SVP eine entsprechende Bandbreite nicht nur der Meinungen, sondern auch der Charaktere. Man sollte jedoch das Verhalten jedes Politikers einzeln beurteilen, und sich dabei nicht von Klischees und Vorurteilen leiten lassen.

 

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