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veröffentlicht am Dienstag, 12.01.2016

St. Galler Tagblatt

Böhi will Gender-Kurse für Asylsuchende


Die sexuellen Übergriffe auf Frauen in Köln werfen auch in St. Gallen Fragen auf. Wie wird Asylsuchenden im Kanton vermittelt, welche Regeln im Umgang mit Frauen gelten? Antwort darauf verlangt ein politischer Vorstoss eines SVP-Politikers.

REGULA WEIK

ST. GALLEN. Gender-Kurse für Asylsuchende? Die Frage wird nach den Vorfällen in der Silvesternacht da und dort diskutiert. Eine Verfechterin ist die Basler SP-Nationalrätin Silvia Schenker. Sie will laut NZZ in der nächsten Session einen Vorstoss einreichen und den Bundesrat beauftragen, die Einführung eines solchen Angebots zu prüfen.

 

Die Grundwerte der Schweiz sind bereits heute Thema zahlreicher Integrationskurse. Soll Asylsuchenden künftig explizit vermittelt werden, welche Regeln im Umgang mit Frauen gelten? Etwa, dass Frauen und Männer vor dem Gesetz und auf dem Arbeitsmarkt gleichgestellt sind? Vorgaben des Bundes dazu gibt es nicht; für die Integration der Asylsuchenden im Alltag sind die Kantone zuständig.

 

Gezielte Projekte angehen

Das Thema aufgegriffen hat inzwischen der Wiler SVP-Kantonsrat Erwin Böhi. Er sieht «dringenden» Handlungsbedarf. Die Asylgesuche von Personen aus Regionen «mit ausgesprochen patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen» nähmen stetig zu. Die Vorkommnisse in der Silvesternacht müssten als «Vorzeichen davon gewertet werden, dass gewisse Grundwerte unserer Gesellschaft, darunter die Gleichstellung der Geschlechter, als Folge der gegenwärtig grossen Migrationsströme Gefahr laufen, relativiert zu werden», schreibt Böhi in seinem Vorstoss. Er weist darauf hin, auf welches Know-how im Kanton er zurückgreifen würde: auf jenes des Kompetenzzentrums Integration und Gleichstellung. Dieses solle vermehrt und prioritär Projekte angehen, die Asylsuchende auf den Stellenwert und die Respektierung der Gleichstellung hinwiesen. Böhi will deshalb von der Regierung erfahren, welche Weisungen oder Verordnungen notwendig sind, damit das Kompetenzzentrum seine Ressourcen und Aktivitäten darauf ausrichten kann.

 

Falsche Anlaufstelle

Was hält der oberste Chef des Kompetenzzentrums Integration und Gleichstellung, Regierungsrat Martin Klöti, von der Forderung nach vertiefter Sensibilisierung der Asylsuchenden? Die Antwort des Gesellschaftsministers lässt nicht auf sich warten: «Wir haben eine klare Trennung der Zuständigkeiten. Solange die Menschen kein festes oder vorläufiges Bleiberecht haben, ist das Sicherheits- und Justizdepartement zuständig.»

 

«Im Alltag vorleben»

Der angesprochene Regierungsrat Fredy Fässler sagt: Fragen des Zusammenlebens, auch der Umgang mit dem anderen Geschlecht, seien «selbstverständlich» ein Thema in den Durchgangszentren. Die Asylsuchenden würden «recht umfassend auf die Gepflogenheiten in der Schweiz vorbereitet». Dies nicht «mit dem Zeigefinger, vielmehr durch das Vorleben im Alltag», sagt Monika Fehr, Bereichsleiterin im Zentrum Landegg. Und sie hält fest: Ereignisse wie in Köln seien fern vom Alltag in der «Landegg». Sie und ihre Mitarbeiterinnen hätten auch noch nie Probleme gehabt, als Frauen von den Männern im Zentrum akzeptiert zu werden. Spezielle Angebote für Männer seien bislang kein Thema gewesen. Anders als die Frauentische, die sie regelmässig organisieren zu Themen wie Menschenrechte, Frauenrechte, aber auch Sexualität, Verhütung – und dabei den Frauen erklären, «dass sie das Recht haben, mitzubestimmen».

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