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veröffentlicht am Donnerstag, 04.08.2016

Artikel Wiler Zeitung: Kein Kollabs im Stossverkehr


Da die SBB vergangenen Winter eine morgendliche Direktverbindung nach Zürich gestrichen haben, wurde für die Pendler ein Stehplatz befürchtet. Zahlen der SBB zeigen nun: Der 7-Uhr-Zug ist weniger stark ausgelastet als vergangenes Jahr.

SIMON DUDLE
WIL. Als bekannt wurde, dass der eingeschobene 7.11-Uhr-Interregio nach Zürich per Dezember 2015 gestrichen wird, wurde das Schlimmste befürchtet. Bis hin zum Szenario, dass man morgens schon im Zug stehen muss und nicht erst im Zürcher Tram. Der Wiler Kantonsrat Erwin Böhi wollte es genau wissen und hat dank einer einfachen Anfrage von den SBB die Zahlen erhalten.
Und diese haben es in sich: Der Neigezug, welcher Wil um 6.40 Uhr Richtung Zürich verlässt, ist seit dem Fahrplanwechsel um 14 Prozent besser ausgelastet als zuvor. 83 Prozent aller Sitze sind ab der Äbtestadt belegt. Gar noch markanter ist die Zunahme eine Stunde später, wenn um 7.40 Uhr der nächste Neigezug Richtung West fährt. Dieser ist um 18 Prozent besser belegt als früher, nämlich zu 79 Prozent. Heisst aber auch: Mehr als jeder fünfte Sitz ist noch frei.
Sprinter entlastet Wil

Überraschend tief ist die Auslastung jenes Interregio-Zuges, der jeden Morgen um 7.08 Uhr Wil verlässt. Er ist um 15 Prozent weniger stark ausgelastet als noch vor dem Dezember, als der gleiche Zug bereits um 7.06 Uhr gefahren war. 72 Prozent der Sitzplätze sind ab Wil belegt – also «nur» etwas mehr als zwei Drittel. Dies erstaunt, weil der gestrichene eingeschobene Interregio somit nicht negativ ins Gewicht fällt. Zwei Gründe dürfte zu dieser tieferen Sitzplatz-Auslastung führen. Einerseits die gesteigerte Kapazität: Früher fuhr um 7.06 Uhr ein Neigezug mit 894 Sitzplätzen. Heute ist es ein Doppelstöcker mit angehängten Wagen, in welchem 1136 Personen Platz finden.


Auch der neu eingeführte «St.Galler Sprinter», welcher stündlich ohne Halt in Wil von St.Gallen nach Winterthur und weiter nach Zürich fährt, dürfte hineinspielen. Dieser entlastet Wil insofern, als dass viele Stadt-St.Galler mit Zielort Zürich nun die Direktverbindung nehmen. Aus der Antwort der St.Galler Regierung auf Böhis Anfrage geht hervor, dass der vor dem Sprinter fahrende Neigezug kaum entlastet wird, der danach fahrende Interregio aber schon.
«Ein Missverhältnis»

Kantonsrat Böhi sieht nach dieser Antwort der Regierung weiterhin Handlungsbedarf. Er sagt: «Der St.Galler Sprinter ist nur zu einem Drittel belegt, hat aber schöne Doppelstockzüge. In Wil halten 40jährige Wagen, die viel besser belegt sind. Das ist ein deutliches Missverhältnis. Wieso werden nicht die alten Wagen als Sprinter verwendet?»

 

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