Alle Aktuellbeiträge

veröffentlicht am Montag, 08.05.2017

Artikel Wiler Zeitung: Damit es keine Lumpen werden


Der SVP-Politiker Erwin Böhi erkundigte sich bei der Stadtregierung nach einer Mitbestimmung der Bevölkerung bei Kunst am Bau im Bergholz. Nach der abschlägigen Antwort fordert er eine Konsultativabstimmung.

PHILIPP HAAG

«Der Stadtrat will nicht. Ihm fehlt es am Willen.» Das Urteil von Erwin Böhi ist deutlich. Der SVP- Stadtparlamentarier reagiert mit Unverständnis auf die Antwort der Stadtregierung auf seine Einfache Anfrage zu Kunst am Bau im Sportpark Bergholz in Wil. Der Stadtrat möchte an der Sportanlage eine künstlerische Intervention realisieren. Böhi ist der Meinung, die Bevölkerung müsse einbezogen werden, und erkundigte sich beim Stadtrat, ob dieser bereit sei, den Entscheid über das Siegerprojekt im Rahmen eines Partizipationsprozesses den Einwohnerinnen und Einwohnern zu überlassen. Der Stadtrat gibt eine abschlägige Antwort. «Die Durchführung eines partizipativen Verfahrens wurde nicht erwogen.» Er verweist auf die «bisher guten Erfahrungen» mit der gewählten Vorgehensweise. Diese umfasst eine zweistufige Methode, welche gemäss der Stadtregierung dem etablierten Verfahren zur Erlangung von Vorschlägen folgt.

Bei Kunst am Bau beim IGP-Sportpark-Bergholz bedeutet dies: Die erste Stufe des Wettbewerbs war offen. Beim öffentlich ausgeschriebenen Präqualifikationsverfahren bewarben sich 56 Kunstschaffende mit einer Dokumentation über ihre Arbeiten. Eine Jury  sichtete die Eingaben und wählte sechs für die nächste Wettbewerbsstufe aus, das Einreichen eines Vorschlags bis Ende dieses Monats. Die ausgewählten Kunstschaffenden stammen aus Zürich, Winterthur, Trogen, Basel und Müllheim. Aus Wil waren zwei Bewerbungen eingereicht worden, aus der Region vier und aus dem Kanton St. Gallen sechs. Keine kam zum Zug, was bei Kunstschaffenden in Wil für Unmut sorgte. Namentlich Markus Eugster vom Künstlerkollektiv Ohm41 war verärgert. So sagte er gegenüber dieser Zeitung: «Die Verortung von Kunst findet normalerweise dort statt, wo sie gelebt und mit Engagement angegangen wird. Dies kann natürlich auch bewusst verhindert werden.» Auch für Böhi ist unverständlich, dass die Jury keine Wiler Künstler auswählte. Er stuft deren Nichtberücksichtigung als «politischen Fehler» ein. Ein solches Werk müsse einen Bezug zur Region haben. Schliesslich finanzierten die Steuerzahler die 120000 Franken für die Umsetzung. Als «Kompensation» für das Aussenvorlassen der Wiler Künstler erwartet Böhi vom Stadtrat, dass dieser «Worten nun Taten» folgen lässt. Konkret spricht er die Partizipation der Bevölkerung an. Die Exekutive brüste sich regelmässig, die Bevölkerung bei Entscheidungen einzubeziehen. Bei Kunst am Bau sieht er eine ideale Gelegenheit. Die abgegebenen Vorschläge werden vom 3. bis 9. Juli in einer öffentlichen Ausstellung präsentiert, wie der Stadtrat mitteilt. Böhi fordert deshalb von der Stadtregierung, während der Ausstellungsdauer eine Konsultativabstimmung durchzuführen. Jeder Besucher könne auf einem Zettel unter Angabe des Namens seinen Favoriten angeben. Die Papiere würden in einem Behältnis gesammelt und der Jury übergeben. Diese soll das Resultat in ihre Entscheidungsfindung einfliessen lassen.

Böhi befürchtet abgehobene Kunst

Böhi erhofft sich vom Einbezug der Bevölkerung einen ausgewogenen Entscheid. Der Stadtrat hält im Antwortschreiben zwar fest, er und die Jury seien sich bewusst, dass die öffentliche Akzeptanz eines künstlerischen Interventionsvorschlags von grosser Bedeutung sei. Die Kunstschaffenden seien auf die öffentliche Visibilität des Kunstwerks hingewiesen worden. Trotzdem traut Böhi dem Stadtrat respektive der Jury nicht über den Weg. Er befürchtet, dass diese sich für «abgehobene Kunst» entscheide, was in Wil gelegentlich vorkomme. «Wie dies herauskommen kann», sagt Böhi, sei «beim Lumpen», der über die Obere Bahnhofstrasse gehängt worden sei, ersichtlich gewesen, oder bei den Cornflakes, die auf der Galerie der Kunsthalle verteilt worden seien. Ob die Konsultativabstimmung allerdings einen Einfluss haben würde, die Jury den Entscheid über das Siegerprojekt zum Zeitpunkt der Ausstellung also noch nicht gefällt hätte, ist unklar. Der Stadtrat nennt im Schreiben kein Datum, zu einem früheren Zeitpunkt war jedoch der 23. Juni als Entscheidungstag kommuniziert worden.

 

Alle Aktuellbeiträge