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veröffentlicht am Donnerstag, 29.03.2018

Wiler Nachrichten: Strom aus dem Bodensee statt Windräder


Von Michael Anderegg

Zwei Thurgauer und ein St.Galler Kantonsrat wollen Strom aus dem Bodensee und dem Rhein nutzen. Dieser könnte zwei Atomkraftwerke ersetzen. 

Braunau/Wil «Alle reden im Thurgau immer von Windrädern und Solarenergie. Warum nicht vom Energiepotenzial des Bodensees?» Diese Frage stellte sich SVP-Kantonsrat Hanspeter Gantenbein während eines WN-Interviews Mitte Februar zum Text «Wegen Windrädern: 'Gemeinden müssen jetzt Spielregeln festlegen'». Die Frage beschäftigte ihn, er begann zu recherchieren. Das Ergebnis ist nun ein Antrag von ihm und Kantonsrat David Zimmermann (SVP) an den Regierungsrat. Zudem die Zusammenarbeit mit dem Wiler Kantonspolitiker Erwin Böhi. Dieser wird am 23. April im St.Galler Kantonsrat mit einem Postulat von seiner Regierung dasselbe fordern wie seine Thurgauer Kollegen von ihrer: einen Bericht zur Energiegewinnung aus dem Bodensee und dem Rhein.

Leistung von zwei AKWs 

«Die Nutzung der Energie aus dem Bodenseewasser gehört zweifelsohne zu den erneuerbaren Energieträgern, obwohl diese im kantonalen Richtplan nicht erwähnt ist», sagt Hanspeter Gantenbein. Die Energie könnte mit Wärmepumpenanlagen gewonnen werden. «Das Forschungsinstitut Eawag in Dübendorf zeigt in Studien ein riesiges Potential für Energie aus Seen. Sogar im Speziellen aus dem Bodensee», erklärt Gantenbein. Die Rede ist von bedenkenloser Gewinnung von Heiz- und Kälteenergie für mehrere 100‘000 Haushalte. «Das Energiepotenzial kommt der Leistung von zwei Atomkraftwerken gleich», so Gantenbein. Österreich und Deutschland hätten dieses Potenzial ebenfalls erkannt und aufgegriffen, ergänzt David Zimmermann. 

Projekte in Zug und Luzern 

Während seiner Recherchen traf Hanspeter Gantenbein auf zwei Projekte in der Innerschweiz, die Wärmepumpenanlagen im nächsten, beziehungsweise übernächsten Jahr in Betrieb nehmen. «Deren Erfahrungen sollen genutzt werden», so Gantenbein. Seinen Abklärungen zufolge müsse für solch grosse Zukunfts-Infrastrukturprojekte über einen Zeithorizont, gemäss der Lebensdauer der See-Leitungen, von 60 Jahren gerechnet werden. Die Berechnungen sollten ohne verdeckte Zuschüsse oder Subventionen funktionieren, «anders als dies bei den geplanten Windkraftanlagen der Fall wäre», ergänzt David Zimmermann. Der Braunauer Gemeindepräsident stellt klar, dass er und Hanspeter Gantenbein keine Verhinderer seien, wie ihnen immer wieder nachgesagt werde. «Wir wollen nichts verhindern. Sondern mit diesem Antrag auch aufzeigen, welche effektiveren Energiemöglichkeiten direkt vor unserer Haustüre liegen.» Die Fliessgewässer im Thurgau zu nutzen sei wesentlich offensichtlicher, als Windkraftanlagen aufzustellen.

Alle Fraktionen ins Boot holen 

Der Bericht soll nicht in Form von «Gärtlipolitik» entstehen. Laut kantonalem Richtplan sollten die Seegemeinden solche Möglichkeiten prüfen. «Jeder für sich, das bringt nichts. Das muss im grösseren Stil passieren», sagt der Wiler Politiker Erwin Böhi (SVP). Die Regierungen der Kantone Thurgau und St.Gallen sollen den Bericht gemeinsam erarbeitet. «Eine Premiere», ist Böhi sich sicher. Er will sein Postulat von allen vier Fraktionen unterschreiben lassen. Der abschliessende Bericht müsse dann das ganze schweizerische Bodenseeufer umfassen. Ausserdem muss er auch über Möglichkeiten und Konsequenzen für Trinkwasser, Fischerei, Landschaft- und Ortsbild informieren. Die drei Politiker gehen davon aus, dass ihre Regierungen auf ihr Anliegen eintreten werden. «Es ist für beide Kantone eine Gelegenheit, guten Willen zu zeigen», so Erwin Böhi. Behandelt wird das Thema in beiden Kantonsräten wohl erst nach den Sommerferien. «Bis dann ein Bericht auf dem Tisch liegt, kann es dann noch zwei oder drei Jahre gehen. Da steckt viel Arbeit dahinter», so Hanspeter Gantenbein.

 

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