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veröffentlicht am Donnerstag, 13.06.2019

St.Galler Tagblatt: Rote Köpfe wegen St.Galler Festspielen


Die Festspielbühne soll vom Klosterplatz verschwinden. Das fordert SVP-Kantonsrat Erwin Böhi in einer Motion. Er erhält von ungewohnter Seite Unterstützung. Kritischer äussert sich der Tourismusdirektor.

Marlen Hämmerli

Heute reicht der SVP-Kantonsrat eine Motion ein: Böhi will, dass auf der Wiese künftig nur noch Anlässe stattfinden, die nicht-kommerziell und auf einzelne Tage beschränkt sind und ohne Aufbauten wie Bühnen oder Verkaufsstände auskommen. Die kommerzielle Nutzung des Klosterbezirks stosse bei der Bevölkerung der Region auf Ablehnung. Was sagen Stadtparlamentarier zum Vorstoss von Erwin Böhi?

Auslegeordnung, welche Anlässe auf die Wiese dürfen 

Seine Parteikollegin Karin Winter-Dubs beurteilt das Anliegen nicht als grundsätzlich falsch. Sie würde aber anders vorgehen und eine Gesamtbeurteilung verlangen. «Ich würde eine Auslegeordnung fordern, was auf dem Klosterplatz stattfinden darf und warum und dann darüber diskutieren», sagt die SVP-Fraktionspräsidentin des Stadtparlaments.

Dabei müsste auch der Gallusplatz als Teil des Klosterbezirks mitgedacht werden. Dieser gehört der Stadt und nicht, wie der Klosterplatz, dem Kanton. «Deshalb dürfte eine solche Auslegeordnung kompliziert werden», sagt Winter-Dubs. 

Das sei ein guter Vorschlag, sagt SP-Stadtparlamentarier Gallus Hufenus. Hufenus erinnert an den Weihnachtsmarkt. Vor über zehn Jahren wurde darüber diskutiert, diesen auf den Klosterplatz zu zügeln. Doch der Administrationsrat, die Exekutive des Katholischen Konfessionsteils, stand dem Anliegen negativ gegenüber. Die Kantonsregierung erteilte die Bewilligung nicht.

Die Festspiele sind nicht das Problem 

Aber die Motion von Erwin Böhi sei gerechtfertigt, sagt Hufenus. Wie Böhi stört sich Hufenus nicht an den St. Galler Festspielen, sondern am Veranstaltungsort.

Normalerweise kann jede und jeder gratis auf die Wiese. Während der Festspiele ist aber ein Teil abgesperrt. Wer den Anlass besuchen will, zahlt Eintritt. «Und nicht wenig. Dadurch schliesst Kultur die Menschen aus, dabei sollte sie doch zu den Leuten, niederschwellig zugänglich sein.» Vor acht Jahren hatte Hufenus deshalb im Stadtparlament einen Vorstoss eingereicht. «Ich wollte die Festspiele nicht verbieten, forderte aber eine Kompensation dafür, dass der öffentliche Raum so lange besetzt wird.» So sollte eine Aufführung der Festspiele auf eine Grossleinwand übertragen werden. 

Natürlich seien die Festspiele aus Standort- und Tourismussicht eine «riesige Kiste», sagt Hufenus. «Aber ich finde es schade, wenn Kultur nur dem Standortmarketing dient. Dadurch wird sie missbraucht, und das ist für mich nicht nachhaltig.» 

Genau die Strahlkraft der Festspiele ist einer der Gründe, warum sie auf dem Klosterplatz stattfinden dürfen. «Wir wägen ab, wie bedeutend ein Anlass für Kanton und Stadt ist, wenn wir ein Gesuch beurteilen», sagt Staatssekretär Canisius Braun. Die Festspiele seien ein Standortfaktor, die Aussenwirkung sei gross.

«Es grenzt an Zwängerei, dass Erwin Böhi die Diskussion erneut aufbringt», sagt Thomas Kirchhofer, Direktor von St. Gallen-Bodensee-Tourismus. Böhi hat vergangenen August bereits eine Einfache Anfrage zum Thema eingereicht. «Mit der erneuten Diskussion tun wir uns keinen Gefallen. Die Wahrnehmung von St. Gallen darf nicht geprägt sein von solchen kleinkarierten Diskussionen. Statt die Festspiele zu bekämpfen, würde besser über eine Optimierung diskutiert.» Es werde viel Energie darauf verwendet, die negativen Auswirkungen der Festspiele zu verhindern.

Festspiele sind auf den Ort abgestimmt 

Die Bewilligung der Festspiele läuft 2021 aus. Derzeit bereitet die Staatskanzlei die nächste Bewilligung vor. Das letzte Gesuch wurde auch wegen des Berichts «Strategische Evaluation der St. Galler Festspiele 2006-2012» positiv beurteilt. Dieser bestätigte, dass die St. Galler Festspiele die musikalische Tradition der früheren Abtei weiterführen und auf die sakralen Räume abgestimmt sind. «Deshalb würde eine Verlegung an einen anderen Ort keinen Sinn ergeben», schreibt Werner Signer, Direktor des Theaters St. Gallen, auf Anfrage. Erwin Böhi schlägt in seiner Motion vor, die Festspiele woanders zu veranstalten. Doch sagt Signer: «Die Legitimation der St. Galler Festspiele beruht auf der Kraft des Ortes».

 

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