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veröffentlicht am Freitag, 21.06.2019

St. Galler Nachrichten: Gegen «Kommerzialisierung» des Klosterplatzes


SVP-Kantonsrat Erwin Böhi hat seine gegenüber den «St.Galler Nachrichten» geäusserte Absicht wahr gemacht. Wenn die Beantwortung seiner «Einfachen Anfrage» nicht zu seiner Zufriedenheit ausfalle, wolle er eine Motion starten, die er nun eingereicht hat. Danach soll eine gesetzliche Grundlage dafür geschaffen werden, dass auf dem Klosterplatz nur nicht-kommerzielle Veranstaltungen durchgeführt werden.  

Es sollen darüber hinaus nur noch zeitlich auf einzelne Tage beschränkte Veranstaltungen ohne Aufbauten wie namentlich Bühnen, Tribünen oder Verkaufsstände zulässig sein. Das würde auch das Ende der Festspiele von Konzert und Theater St.Gallen auf dem Klosterplatz bedeuten. Die Motion muss nun noch vom Kantonsrats-Plenum an die Regierung überwiesen werden, wozu eine Mehrheit erforderlich ist. 

«Unvereinbar mit Weltkulturerbe-Status» 

Wie Böhi in seinem politischen Vorstoss, der von 31 Kantonsrätinnen und Kantonsräten mitunterzeichnet wurde, festhält, sind «die baulichen Strukturen für die seit 2006 jeweils im Sommer stattfindenden Festspiele auf dem Klosterplatz ein massiver, störender Eingriff in den Stiftsbezirk St.Gallen und sind unvereinbar mit dem Status des Stiftsbezirks als UNESCO-Weltkulturerbe». 

Unmut über die lange Besetzung 

Weiter führt Böhi aus, dass die Vorbereitungsarbeiten, die Konstruktion von Tribüne und Bühne, die Aufführungsdauer, die Rückbauten und die Wiederherstellung des zerstörten Rasens nach Abschluss der Festspiele zu einer während rund drei Monaten für die Öffentlichkeit teilweisen Sperrung führten. Dieser Zeitraum falle mit der touristischen Hauptsaison zusammen und Besucherinnen und Besucher seien irritiert ob den sperrigen Stahlkonstruktionen, den Plastikwänden und den Holzkulissen, die den Klosterplatz verunstalteten. Dieser Zustand sei umso befremdlicher, als mit dem vor kurzem eröffneten, neuen Ausstellungssaal des Stiftsarchivs die touristische Attraktivität des Klosterbezirks weiter gesteigert werde. 

Die Nutzung für eine kommerzielle Veranstaltung wie die St.Galler Festspiele stosse auch bei der Bevölkerung der Region auf Ablehnung, wie eine Umfrage zur strategischen Entwicklung des Stiftsbezirks gezeigt habe. Bestätigt worden sei dies auch durch die zahlreichen Reaktionen auf seine «Einfache Anfrage». Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung hätten ausnahmslos den Unmut über die lange Besetzung des Klosterplatzes durch die Festspiele und die Zugangsbeschränkungen zum Inhalt. 

Einen anderen Ort suchen 

Schliesslich vertritt Böhi im Vorstoss die Ansicht, die St.Galler Festspiele seien eine Bereicherung der St.Galler Kulturlandschaft, sie sollten jedoch an einem anderen Ort abgehalten werden, beispielsweise auf dem Brühl bei der Tonhalle oder auf der Kreuzbleiche. Die Organisation der Freilichtspiele könnte so erleichtert und die Sitzkapazitäten könnten erweitert werden. 

 

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