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veröffentlicht am Dienstag, 31.12.2019

Wiler Zeitung: Stadtparlament entdeckt neues Instrument


Das Wiler Stadtparlament entdeckt ein neues Instrument für sich: Die Resolution als neues Mittel zum politischen Erfolg

32 Vorstösse reichten die Politiker 2019 in Wil ein. Die Resolution feierte gleich eine dreifache Premiere.

Gianni Amstutz

Die Wahlen für das Stadtparlament und den Stadtrat rücken näher. Ende September 2020 ist es so weit. Zeit für die Parteien, in den Wahlkampfmodus zuschalten. Ein gängiges Mittel, um den Wählerinnen und Wählern öffentlichkeitswirksam seine Meinung zu Themen zu zeigen, sind parlamentarische Vorstösse.

Doch von einer aussergewöhnlichen Zunahme aufgrund der näherrückendenWahlen ist noch nichts zu spüren. 32 Vorstösse haben die Parlamentsmitglieder 2019 eingereicht und bewegen sich damit nur leicht über dem Wert der vergangenen Jahre. 2017 waren es 29 Vorstösse, 2018 deren 23.

SVP weiterhin mit den meisten Vorstössen

Gleich geblieben ist auch die Verteilung der Vorstösse auf die Parteien. Führend ist traditionell die SVP. 2019 hat die Partei zehnmal ein Anliegen eingereicht. Einschränkend muss gesagt werden, dass Benjamin Büsser seine Motion zum Altstadtgarten nach Bekanntwerden des Rückzugs des Projekts zurückgezogen hat und Erwin Böhis Motion zu den amtlichen Publikationsorganen ebenfalls nicht behandelt wurde, da sein Anliegen nicht motionsfähig war. Doch selbst mit den verbleibenden acht Vorstössen führt die SVP die Rangliste noch an.

Der Grund dafür ist naheliegend. Die Partei ist als einzige der grossen Fünf nicht im Stadtrat vertreten. Will sie etwas bewegen, sind politische Vorstösse ein bewährtes Mittel.

Auch die Partei am anderen Ende des politischen Spektrums, die Grünen Prowil, gehören mit sieben Vorstössen zu jenen Fraktionen, die verhältnismässig oft zu diesem Mittel greifen. Die SP und FDP mit je drei Vorstössen und die CVP mit zwei gehen jedoch zurückhaltender mit den parlamentarischen Instrumenten um.

Die eifrige Einzelkämpferin

Etwas überraschend ist auch die GLP mit fünf Vorstössen weit vorne in  der Rangliste anzutreffen. Überraschend deshalb, weil die Partei einzig  mit Erika Häusermann im Stadtparlament vertreten ist. So viele Vorstösse wie Häusermann hat von den 40 Parlamentariern sonst nur Ursula Egli (SVP) lanciert.

Nicht alle Vorstösse hatten aber eine Partei als Urheberin. So reichte auch die Geschäftsprüfungskommission eine Motion zum Abgeltungsmodell der Technischen Betriebe Wil ein. Und für die parlamentarische Arbeitsgruppe Kulturpolitik brachte Sebastian Koller die Motion zur Liegenschaft zum Turm vor.

Weiterhin am häu?gsten verwendet von allen parlamentarischen Instrumentenwird die Interpellation. Mit ihr können die Parlamentsmitglieder vom Stadtrat Auskunft zu einem Thema verlangen und danach an einer Sitzung Stellung beziehen zu den Antworten der Stadtregierung. Mit 14 Stück machen Interpellationen 2019 rund die Hälfte aller eingereichten Vorstösse aus. Danach kommen die Motionen (10) und die Anfragen (6). In diesem Jahr kam es in Sachen Vorstössen aber auch zu einer Premiere.

Erstmals überhaupt in Wil griffen die Parlamentarier heuer zur Resolution

Und das gleich dreimal. Erwin Böhi (SVP) wollte Printzeitungen weiterhin alsamtliche Publikationsorgane beibehalten, Guido Wick (Grüne Prowil) den Klimanotstand ausrufen und Ursula Egli beabsichtigt, Weihnachtsfeiern an den Wiler Schulen zu verankern. Die Resolution ist im engeren Sinn kein parlamentarischer Vorstoss. Mit der Resolution können Parlamentarier oder Parteien aber eine Stellungnahme des Stadtparlaments zu einem Thema verlangen. Nach einer Diskussion wird über die Resolution abgestimmt. Das Ergebnis ist für den Stadtrat nicht bindend. Das heisst aber nicht, dass Resolutionen wirkungslos sind. Im Gegenteil: Wenn eine Mehrheit des Parlaments seinen Willen zum Ausdruck bringt, folgt der Stadtrat in der Regel den geäusserten Vorgaben. Das beste Beispiel ist der Klimanotstand. Bereits im Budget 2020 ist erkennbar, dass der Stadtrat die Annahme der Resolution als deutlichen Auftrag des Parlaments interpretiert.

 

 

 

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