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veröffentlicht am Donnerstag, 20.02.2020

Tagblatt: Die St.Galler Festspiele dürfen auf dem Klosterplatz bleiben – die Betreiber sollen aber sensibler vorgehen


Die Bühne im Sommer auf dem Klosterplatz bleibt. Doch die Motion, die sie verbannen wollte, erhielt im Kantonsrat grossen Zuspruch.

Sandro Büchler

Stadtpräsident Thomas Scheitlin atmet auf: «Der Klosterplatz ist ein zentraler Ort des städtischen Lebens, der auch in angemessenem Umfang für Veranstaltungen zur Verfügung stehen soll.» Genau dies wollte aber der Wiler SVP-Kantonsrat Erwin Böhi in einer Motion im Kantonsrat per Gesetz verbieten. Insbesondere die Belegung durch die Festspiele ist ihm ein Dorn im Auge. Das sperrige Stahlkonstrukt in den Sommermonaten sei ein «massiver und störender Eingriff» in den Stiftsbezirk St.Gallen und «unvereinbar» mit dem Unesco-Weltkulturerbe. Die Festspiele sollen andernorts stattfinden – nur nicht auf dem Klosterplatz.

Am Dienstag, Punkt 11 Uhr, haben zwar 62 der 120 Kantonsräte die Motion «Klosterplatz schützen anstatt kommerzialisieren» abgelehnt. Doch überraschend stimmten immerhin 45 Kantonsräte der Motion zu, vier enthielten sich ihrer Stimme und neun waren nicht im Saal. Das Ja zur Motion hätte de facto ein Verbot von kommerziellen Veranstaltungen sowie Bühnen, Tribünen oder Verkaufsständen zur Folge gehabt.

Dies hätte wohl nicht nur das Ende der Festspiele bedeutet, auch andere Veranstaltungen wären betroffen gewesen, etwa das «Aufgetischt». «Für den Weihnachtsbaum und die Christkindgeschichte wäre es auch schwierig geworden», sagt Arno Noger, FDP-Kantonsrat und Präsident der Ortsbürger. «Das hätte sicher niemand gewollt, auch nicht der Motionär.»

Er versteht den hohen Ja-Stimmen-Anteil als Fingerzeig. Die Debatte im Rat habe gezeigt, dass die Theaterproduzenten noch sorgfältiger abwägen müssen zwischen Weltkulturerbe und kommerzieller Nutzung. Besonders sensibel müssten sie beim Bühnenbild, der Auswahl und dem Kontext des Stücks sein.

Ähnlich äussert sich Thomas Kirchhofer, der St.Galler Tourismusdirektor. Bei der Art und Weise wie die Tribüne eingepackt wird, ortet er Verbesserungspotenzial.

Für viele wirke der Bau wie ein Fremdkörper, der zudem hermetisch abgeriegelt werde. An die Adresse des Theaters plädiert Kirchhofer deshalb für mehr Volksnähe. «Die Proben könnte man öffentlich zugänglich machen. Das hilft die Distanz zur breiten Bevölkerung zu vermindern.» Er blickt nach Bregenz. «Dort steht die ganze Bevölkerung hinter der Seebühne.» Den St.Galler Festspielen hafte aber noch immer ein elitärer Dünkel an.

Teile des Klosterplatzes seien durch Bühne und Tribüne bis zu drei Monate besetzt, sagt Kantonsrat und Stadtparlamentarier Etrit Hasler (SP). Er würde es daher begrüssen, wenn der Probebetrieb verkürzt würde. «Denn die Proben finden auf öffentlichem Grund statt.» Und selbst in einem Theaterhaus werde nicht so intensiv auf der grossen Bühne geprobt. Hasler beklagt ausserdem die Ungleichbehandlung zwischen den Kulturschaffenden.

Mit Genugtuung hat Werner Signer, Direktor des Theaters St.Gallen, die Ablehnung der Motion aufgefasst. Die «spirituelle Ausstrahlung des Kraftortes Stiftsbezirk» entspreche dem Kerngedanken der Festspiele. 

«Wir sind uns aber bewusst, dass Interventionen im öffentlichen Raum unterschiedlich beurteilt werden können.»

Seit den ersten Festspielen auf dem Klosterplatz 2006 unternehme man auch laufend Anpassungen am Konzept. «So ist beispielsweise der Platz während der Festspiele längst nicht mehr, wie noch in den Anfängen, abgeschlossen.»

 

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