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veröffentlicht am Donnerstag, 27.02.2020

TAGBLATT: Totalopposition gegen Spitalstrategie im Fürstenland und im Toggenburg wohl vom Tisch


Die überarbeitete Spitalstrategie der Regierung stösst auf verhalten positives Echo. Jegliche Kritik ist aber nicht ausgemerzt.

Ruben Schhönenberger

So reagiert die Region:

«Verhalten positiv», «grundsätzlich erfreut», «positiv überrascht». Die Reaktionen auf die am Donnerstag von der Regierung vorgestellte überarbeitete Spitalstrategie fallen in der Region Fürstenland-Toggenburg positiver aus, als es viele noch zu Wochenbeginn prognostiziert hätten. Es scheint, dass die Regierung die rund 100 Vernehmlassungsantworten so in die definitive Version der Botschaft hat einfliessen lassen, dass viele kritische Stimmen zumindest die Lautstärke der Kritik zu drosseln vermögen.

Das erstaunt insofern, als die Regierung die Strategie «4plus5» nicht grundlegend überarbeitet hat. Weiterhin sollen die Spitäler in Flawil und Wattwil geschlossen werden, während das Spital Wil erhalten bleibt und einer baldigen Sanierung oder einem Neubau entgegensieht.

Alleinstellungsmerkmal für Wattwil

Allerdings präsentiert die Regierung für den Standort Wattwil eine konkrete Lösung, die gar zu einem Alleinstellungsmerkmal werden könnte: Sie will das Spital in Wattwil zu einem Kompetenzzentrum für spezialisierte und hochspezialisierte Pflege umbauen respektive der Solviva AG dies ermöglichen. Das entkräftet gleich zwei der Kritikpunkte, die hinsichtlich der drohenden Schliessung des Spitals Wattwil oft genannt wurden: Es bleiben Arbeitsplätze erhalten und der Spitalneubau droht nicht leer zu stehen.

Der Toggenburger SVP-Kantonsrat Ivan Louis geht deshalb davon aus, dass die Vorlage jetzt auf gutem Weg ist. Er sagt:

«Die Rückweisung des Geschäfts ist vermutlich vom Tisch.»

Ähnlich tönt es von Mathias Müller. Der Lichtensteiger Stadtpräsident und CVP-Kantonsrat hatte Anfang Woche zusammen mit drei anderen Toggenburger Kantonsräten angeregt, am Standort Wattwil auf hochspezialisierte Pflege zu setzen. Dass die Regierung das aufgenommen hat, stimmt Müller «verhalten positiv».

Weiter bemängelt wird die fehlende überkantonale Zusammenarbeit, gerade mit dem Thurgau. So sagt SVP-Kantonsrat Louis beispielsweise: «Es kann nicht sein, dass wir so eine Planung ohne den wichtigsten Partner im Westen angehen.»

Protest hat genützt

Ähnlich sieht das auch der Wiler SVP-Kantonsrat Erwin Böhi: «Man hätte zumindest versuchen sollen, den Kanton Thurgau mit ins Boot zu holen.» Das Wort Thurgau komme nur dreimal in der Botschaft vor. Er werde dieses Thema im Kantonsrat sicher aufgreifen. Böhi fällt zudem auf: 

«Wer am meisten protestiert hat, hat nun ein Zückerli erhalten. Wer stiller war, hat nichts erhalten. Ich glaube nicht, dass das ein Zufall ist.»

Er spricht damit auch den Standort Flawil an, von dem im Vergleich zum Toggenburg und Sarganserland nicht gleich viel Kritik kam. Das Spital Flawil soll nach wie vor geschlossen werden und stattdessen ein Gesundheits- und Notfallzentrum errichtet werden. Ein Verkauf an ein Privatspital ist für die Regierung weiterhin kein Thema. Böhi will deshalb in Flawil genauer hinschauen, ob es doch möglich ist, in Flawil ebenfalls ein anderes Angebot mit Privaten aufzubauen.

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