Alle Aktuellbeiträge

veröffentlicht am Samstag, 27.06.2020

HALLOWIL.CH: So schmieden Politiker Mehrheiten


Seit einem Jahr versucht die «parlamentarische Arbeitsgruppe Kulturpolitik», politische Vorstösse zu Kulturthemen durch das Stadtparlament zu bringen. Eine erste Bilanz fällt positiv aus, auch wenn es schon innerhalb der politisch diversen Gruppe nicht immer einfach sei, Mehrheiten zu bilden, sagt Leiter Erwin Böhi.

Pablo Rohner

Der erste Erfolg war ein alter Turm. Der erste Vorstoss, der dank der Überzeugungsarbeit der parlamentarischen Arbeitsgruppe Kulturpolitik durchs Parlament gebracht wurde, war  Sebastian Kollers (Grüne Prowil) Motion zur Umnutzung der Liegenschaft «zum Turm» an der Tonhallestrasse. Als die Parlamentsgruppe vor einem Jahr gegründet wurde, wurden «Ausgewogene politische Vorlagen für die Kultur» als Ziel ausgegeben.  Der politische Vorstoss zum «Turm» beauftragt den Stadtrat, ein Konzept zur Umnutzung des Gebäudekomplexes in ein Begegnungs-, Kultur- und Musikschulzentrum zu erarbeiten. «Ich hoffe, dass es da vorwärts geht», sagt Erwin Böhi, Leiter der Arbeitsgruppe. Es sei zudem wichtig, dass mögliche Nutzer des Turms in den Prozess eingebunden werden, so Böhi. Also Kulturschaffende, Vereine, die Musikschule, Chöre, Theater, aber auch mögliche Betreiber einer Beiz. 

Die Arbeitsgruppe ist parteiübergreifend abgestützt. Folgende Politikerinnen und Politiker gehören ihr an: Erwin Böhi (SVP; Leitung), Brigitte Gübeli (CVP), Ursula Egli (SVP), Marcel Malgaroli (FDP), Christof Kälin (SP), Michael Sarbach (Grüne Prowil), Sebastian Koller (Grüne Prowil, Präsident IG Kultur Wil) sowie Adrian Zeller (beratende Funktion). Über den Prozess, die Motion parteiübergreifend mehrheitsfähig zu machen sagt Böhi: «Es war politische Knochenarbeit, auch innerhalb einzelner Fraktionen.» 

Das Engagement lohnte sich: Mit 25 Ja zu 9 Nein wurde die Motion am 12. März an den Stadtrat überwiesen. Wie in allen parlamentarischen Gruppen und Kommissionen sei es auch in der Arbeitsgruppe Kulturpolitik manchmal schwierig, einen Konsens zu finden. «Die SVP hat manchmal eine andere Auffassung von Kultur als die Grünen oder die SP», sagt Erwin Böhm. Und trotzdem: Wenn ein Projekt der Stadt Wil zugute komme, würden die Mitglieder der Arbeitsgruppe jeweils schnell an einem Strick ziehen. «Die Differenzen zeigen sich eher auf der ideologischen Ebene als bei konkreten Sachthemen.»

Alle Aktuellbeiträge