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veröffentlicht am Dienstag, 30.06.2020

HALLOWIL.CH: Autoposer-Problematik: Hat die Polizei Wil vernachlässigt?


Sie sind eines der grossen Themen im Frühjahr und Sommer 2020: die vornehmlich jungen Autoposer, welche auch in Wil auf den Strassen unterwegs sind, um ihre Autos möglichst laut und schnell zu präsentieren – hauptsächlich abends und nachts. Immer wieder kommt es auch zu Menschenansammlungen. Das war vor allem im Frühjahr ein Problem, als wegen der Corona-Pandemie Gruppierungen mit mehr als fünf Personen verboten waren.

Dem Wiler SVP-Kantonsrat Erwin Böhi ist zu Ohren gekommen, dass es in der Nacht des 18. Aprils Zwischenfälle gegeben habe in Wil. Anwohner des Allee-Schulhauses hätten wegen Lärmbelästigung und Missachtung des Versammlungsverbots die Polizei informiert. Diese sei dann gekommen – und von den Automobilisten bedroht worden. Die Ordnungshüter hätten sich zurückgezogen und den Anwohnern mitgeteilt, dass sie mit der nächtlichen Ruhestörung leben müssten. Die Anordnung, nichts zu machen, sei «von oben» gekommen. Böhis Befürchtung: Die Stadt Wil wird von der Polizei vernachlässigt.

«Nächtliche Ruhestörungen werden nicht geduldet»

Darum hat Böhi im Kantonsrat eine Einfache Anfrage eingereicht in dieser Thematik. Nun liegt die Antwort vor. Die Regierung widerspricht den Vorwürfen Böhis – und doppelt damit die Aussagen, welche die Kantonspolizei schon gegenüber hallowil.chgemacht hatte. Zwar habe aufgrund von zahlreichen Einsätzen in der Region Fürstenland-Neckertal in jener Nacht ressourcenbedingt priorisiert werden müssen, die Stadt Wil habe aber Priorität genossen. Da an jenem 18. April in der Äbtestadt effektiv «ein erhöhtes Aufkommen von Personen aus der Autoposer-Szene» festgestellt worden war, habe die Kantonspolizei die Präsenz erhöht und bei verschiedenen Vorkommnissen interveniert. «Zahlreiche Fahrzeug- und Verkehrskontrollen zeigten aber, dass die Massnahmen des Bundes bei einzelnen Autoposer-Gruppierungen auf wenig Akzeptanz stiessen», schreibt die Regierung.

Mindestens zwei Einsatzpatrouillen seien in Wil im Dauereinsatz gestanden in besagter Nacht. Verschiedene Gruppen seien aufgelöst, Bussen ausgestellt und Wegweisungen ausgesprochen worden. «Trotzdem war das ausnahmslose Durchsetzen des Versammlungsverbots wegen der hohen Auftragsdichte ausgeschlossen», so die Regierung weiter. Nächtliche Ruhestörungen würden «keineswegs geduldet». Ein Verbot durch Vorgesetzte bei der Wahrung der öffentlichen Sicherheit habe es nicht gegeben.

Simon Dudle

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