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veröffentlicht am Sonntag, 05.07.2020

Die Ostschweiz: Jetzt machen die Senioren mobil


Die Corona-Pandemie hat den Fokus auf die Menschen im dritten Lebensabschnitt gerichtet, sie wurden als «Risikogruppe» bezeichnet. Einige Ältere empfanden dies als diskriminierend. Als Folge davon wollen sie sich in der Politik mehr Gehör verschaffen; in Wil soll ein Seniorenrat entstehen.

Adrian Zeller

Während des Covid 19-Lockdowns übernahmen in Wil jüngere Kräfte die Hauslieferungen des Mahlzeitendienstes. Die Seniorinnen und Senioren, die normalerweise diesen Service übernehmen, mussten auf behördliche Anweisung aus Sorge um ihre Gesundheit zuhause bleiben. Im Weiteren durften viele Grosseltern wegen des Übertragungsrisikos ihre Enkel nicht mehr hüten.

Dies sind zwei Beispiele von ehrenamtlichen gesellschaftlichen Dienstleistungen, die Menschen im AHV-Alter unter normalen Umständen ausführen. Gemäss des Bundesamtes für Statistik leisten Menschen in der Schweiz jährlich 664 Millionen Stunden an Freiwilligenarbeit, ein Teil der Aufgaben werden dabei von älteren Personen übernommen.

Verzerrte Sichtweise

Wie Studien zeigen, sind zahlreiche Menschen im dritten Lebensabschnitt in guter Verfassung, trotz Diabetes, Bluthochdruck und Gelenkbeschwerden leisten sie substanzielle Beiträge an die Gesellschaft.

Während der Pandemie wurden sie pauschal als «Risikogruppe» bezeichnet. Dies zementierte eine Klischeevorstellung, wonach Menschen im Alter grundsätzlich gesundheitlich wenig robust sind und besonderer Schonung bedürfen.

Verschiedene Senioren empfinden dies als eine herabwürdigende Pauschalisierung. Sie werden ihrer Meinung nach einseitig als Leistungsbezüger gesehen, ihre Lebensleistung für die Gesellschaft und ihre Beiträge an die Sozialwerke erfahren zu wenig Wertschätzung, bemängeln sie.

Wachsende Gruppe von Rentnern

Als Folge des medizinischen Fortschrittes wächst die Bevölkerungsgruppe der Rentenbezüger. In Wil beträgt ihr Anteil rund 30 Prozent, Tendenz steigend. Doch im politischen Leben kommt ihnen trotz ihrer quantitativen Grösse keine spezielle Beachtung zu. In anderen Städten bringen aus älteren Einwohnerinnen und Einwohnern bestehende Kommissionen die spezifischen Bedürfnisse dieser Gesellschaftsgruppe in die Politik ein.

In Wil soll ebenfalls ein entsprechendes Gremium entstehen, das beim Stadtrat, bei der Stadtverwaltung und bei den Behörden die Sicht der älteren Genenation vertritt. Eine Interpellation im Stadtparlament von Erstunterzeichner Erwin Böhi regt die Einrichtung eines Seniorenrates in der Äbtestadt an. Für junge Menschen sowie für Migranten bestehen bereits vergleichbare Einrichtungen.

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