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veröffentlicht am Donnerstag, 24.09.2020

Wiler Zeitung: Mehr Mitsprache für die Senioren


In Wil soll die ältere Generation mehr Partizipationsmöglichkeiten erhalten. In welcher Form das geschehen soll, daran scheiden sich jedoch die Geister.

Gianni Amstutz

Beat Steiger ist nicht begeistert vom Vorschlag des SVP-Stadtparlamentariers Erwin Böhi zur Gründung eines Seniorenrats. Das erstaunt, ist doch Steiger Präsident des Netzwerks Alter - nachhaltig unterwegs (Nanu) und Vizepräsident des kantonalen Seniorenrats.

Als solcher begrüsst er zwar die Stossrichtung von Böhis Vorstoss, der die ältere Generation bei alterspolitischen Fragen stärker einbeziehen will. Die von Böhi vorgeschlagene Form eines Seniorenrats, der vom Stadtrat repräsentativ zusammengesetzt werden soll, widerstrebt Steiger jedoch.

Er spricht von einer «Pseudo-Partizipation», bei der einige wenige Meinungsmacher sich selbst inszenieren würden. Dadurch sei das ursprüngliche – und lobenswerte – Ziel von mehr Partizipation für die ältere Gesellschaft gefährdet, steht für ihn fest.

Über 60-Jährige sind eine sehr heterogene Gruppe

Besser als ein vom Stadtrat zusammengesetzter Seniorenrat wäre gemäss Beat Steiger ein Wiler Forum 60plus. Daran könnte grundsätzlich jede und jeder teilnehmen, der sein 60. Altersjahr vollendet hat. Das würde die Repräsentativität verbessern, ist er überzeugt. Denn: 

«Es ist eine Illusion zu glauben, dass eine vom Stadtrat zusammengesetzte Gruppe die Interessen einer ganzen Generation vertritt.»

Dafür seien die über 60-Jährigen eine viel zu heterogene Gruppe. Immerhin machten sie rund einen Viertel der Bevölkerung aus. «Einen 60-Jährigen beschäftigen in der Regel ganz andere Themen als einen 90-Jährigen.»

Stadtrat reagiert positiv auf Vorstoss

Inzwischen liegt auch die Antwort des Stadtrats auf Böhis Interpellation vor – und auch dieser beurteilt eine «Erweiterung der Partizipationsmöglichkeiten» als sinnvoll. 

Es sei jedoch zu prüfen, wie die Teilhabe der älteren Generation am besten sichergestellt werden könne. Dies soll im Rahmen der aktuell laufenden Überarbeitung des Altersleitbilds geschehen, an der Vertreterinnen und Vertreter aus der Zivilgesellschaft, den Landeskirchen und der Stadt Wil beteiligt sind. 

Der Stadtrat kann sich den Seniorenrat sowohl als stadträtliche Kommission (Erwin Böhi) als auch als zivilgesellschaftliches Modell mit breiter Partizipation (Beat Steiger) vorstellen.

Der Stadtrat tendiert jedoch zu einem zivilgesellschaftlichen Modell, bei dem der Seniorenrat als Verein organisiert wäre, was dem Anliegen von Steiger entsprechen würde. «Weil sie nicht eine städtische Kommission sind, können sich diese Vertretungen der Älteren unabhängiger für die Anliegen ihrer Generationen starkmachen», heisst es in der Antwort des Stadtrats.

Erwin Böhi zeigt sich erfreut über die Antwort des Stadtrats – und das unabhängig davon, welche Form letztlich für mehr Mitsprache der älteren Generation gewählt wird. «Ich bin zufrieden, dass sich der Stadtrat als Gefäss für den Seniorenrat sowohl ein Verein als auch eine stadträtliche Kommission vorstellen kann.»

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