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veröffentlicht am Mittwoch, 07.10.2020

Tagblatt: Kantonsrat verlangt Antworten zum Coronahotspot Wil


Der Wiler SVP-Kantonsrat Erwin Böhi ist besorgt über die hohen Fallzahlen an Covid-19-Anstckungen in der Region Wil. Er will nun Klarheit von der Regierung, woher diese Ansteckungen stammen.

Lara Wüest

Das Coronavirus bleibt ein Thema in der Schweiz, manche Fachleute warnen gar vor einer zweiten Welle. Im Wahlkreis Wil waren die Zahlen im September so hoch wie sonst nirgends im Kanton St.Gallen. Über diese Entwicklung ist der Kantonsrat Erwin Böhi (SVP) aus Wil beunruhigt. 

Deshalb hat er bei der St.Galler Regierung einen Vorstoss eingereicht. In diesem stellt er unter anderem die Fragen, wie viele der Covid-19-Fälle im Wahlkreis Wil auf Auslandreisen zurückzuführen sind und wie gut die betroffenen Personen die Quarantänevorschriften einhalten. Für Einreisende aus Risikostaaten und -gebieten gilt in der Schweiz eine Quarantänepflicht. Auch wenn ihr Test negativ war. Im Interview erklärt Erwin Böhi, was ihn zu seinem Vorstoss bewogen hat.

Sie haben bei der St.Galler Regierung eine Einfache Anfrage zu den Coronafällen in Wil eingereicht. Weshalb?

Erwin Böhi: Bis vor kurzem war die Zahl der bestätigten Fälle im Wahlkreis Wil höher als 60 pro 100'000 Einwohner. Somit wäre unsere Region als Risikogebiet eingestuft worden. Wer aus einem Risikogebiet in eine andere Region oder ein anderes Land reisen will, müsste sich theoretisch in Quarantäne begeben. Aufgrund dieser Tatsache will ich von der Regierung wissen, was sie plant, um diese Entwicklung zu bremsen.

Die Zahlen im Wahlkreis Wil sind jetzt wieder sinkend, Wil ist nicht mehr Spitzenreiter im Kanton. Kommt Ihr Vorstoss nicht zu spät?

Die Grundlage meiner Anfrage waren die Daten, die Ende September verfügbar waren. Die Entwicklung der Zahlen ist dynamisch, daher sie können jederzeit sinken oder steigen. Zudem steigt die Zahl der Fälle aktuell in einigen Regionen Europas dramatisch an. Das kann auch Auswirkungen auf uns haben. Wir leben ja nicht auf einer Insel.

Sie vermuten, dass die Fälle in Wil auf Auslandreisen zurückzuführen sind. Wie kommen Sie darauf?

Ich habe Hinweise darauf bekommen, dass die Zahlen vor allem auf infizierte Personen zurückzuführen sind, die aus dem Ausland eingereist sind. Aufgrund der vagen Informationen, die von der Regierung veröffentlicht werden, könnte man meinen, sie habe keine Ahnung, woher die Ansteckungen kommen. Ich hoffe, das ist nicht der Fall, und darum erwarte ich von ihr eine klare Aussage.

Woher kamen denn diese Hinweise?

Aus informierten Quellen, die ich aber schützen möchte.

Aber die Sommerferien waren im September, als es so viele Fälle gab, doch längst vorbei. Weshalb glauben Sie trotzdem, dass die hohen Zahlen auf Auslandsreisende zurückzuführen sind?

Die Zeit zwischen dem Moment der Ansteckung, dem Auftreten der Symptome, dem Test, dem Resultat des Tests und schlussendlich der Meldung an die Behörden kann sich über mehrere Wochen hinziehen. Somit ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die aktuellen Zahlen auch mit der erhöhten Reisetätigkeit im Sommer zu tun haben.

Im Vorstoss wollen Sie auch wissen, wie viele Quarantäne-Kontrollen im Kanton St.Gallen und im Besonderen im Wahlkreis Wil seit Anfang Juni durchgeführt wurden. Befürchten Sie, dass der Kanton zu wenig kontrolliert, ob sich betroffene Personen an die Quarantänevorschriften halten?

Gemäss Medienberichten kontrolliert der Kanton St.Gallen weniger als andere Kantone, ob die Quarantäne eingehalten wird. Es geht nicht darum, was ich persönlich vermute, sondern dass die Regierung zur Handhabung der Quarantäne-Kontrollen Stellung nimmt.

 
 
 

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