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veröffentlicht am Samstag, 24.07.2021

Tagblatt: Festspiele vom Klosterplatz teilweise verbannt


Die Kantonsregierung hat die Konzession des Theaters St.Gallen für die Festspiele auf dem Klosterplatz bis 2026 erneuert – ab 2023 soll die Freiluftoper aber nur noch im Zweijahresrhythmus durchgeführt werden dürfen. Der abtretende Theaterdirektor macht gute Miene.

Sandro Büchler

Mit Pauken und Trompeten gingen die diesjährigen St.Galler Festspiele vor zwei Wochen zu Ende. Doch nicht das Orchester setzte auf dem Klosterplatz den Schlusspunkt der Oper «Notre Dame». Wegen eines heftigen Gewitters musste die letzte Vorstellung vorzeitig abgebrochen werden.

Wie Recherchen zeigen, fand der eigentliche Paukenschlag für die St.Galler Festspiele jedoch bereits im vergangenen Oktober statt. Dann nämlich hat die Regierung des Kantons St.Gallen der Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen eine neue Konzession für die Durchführung der St.Galler Festspiele bis 2026 erteilt. Darin hält der Kanton allerdings fest: «Ab dem Jahr 2023 gilt für die Durchführung ein Zweijahresrhythmus.» 

2024 und 2026 verbannt der Kanton das Theater also vom Klosterplatz. Eine Oper unter freiem Himmel wird es dann nicht geben.

Festspiele beeinträchtigen das Erlebnis Stiftsbezirk

Die Regierung habe mit dem Entscheid einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Nutzungsinteressen gefunden, heisst es seitens des Kantons St.Gallen. Einerseits solle der Klosterplatz als zentraler Ort des städtischen Lebens in angemessenem Umfang für Veranstaltungen wie die St.Galler Festspiele zur Verfügung stehen, schreibt die Staatskanzlei. Andererseits schränkten die Festspiele die Nutzung durch andere Besucherinnen und Besucher sowie durch andere Veranstaltungen ein. 

«Ein Teil des Erlebnisses Stiftsbezirk ist durch die Festspiele während der touristisch attraktivsten Zeit zwischen Juni und August beeinträchtigt.»

Die teilweise Verbannung der Festspielbühne vom Klosterplatz wirft die Frage auf, ob der Regierungsentscheid in Zusammenhang mit der Motion des SVP-Kantonsrat Erwin Böhi steht. Vor zwei Jahren wollte der Wiler die Festspiele vor dem Dom per Gesetz verbieten. «Die Theaterbühne ist ein massiver, störender Eingriff», sagte Böhi damals. Die Konstruktion verstelle den Platz während der touristischen Hauptsaison. 

Mit der Motion erlitt der Politiker im Kantonsrat allerdings Schiffbruch. Der Rat folgte im Februar 2020 der Regierung und trat nicht auf das Anliegen ein. Doch Böhi hatte mit seinem Vorstoss eine breite öffentliche Diskussion ausgelöst.

Amt für Kultur bezeichnet Festspiele trotz allem als «bedeutendes Ereignis» 

Wie die Staatskanzlei schreibt, sei die Motion nicht die Ursache für den jetzigen Entscheid der Kantonsregierung, die Zahl der Gastspiele zu halbieren. «Die Überprüfung und Verlängerung der Konzession ist im Rahmen des ordentlichen Rhythmus erfolgt und wurde nicht durch die Motion ausgelöst.» Der Entscheid sei unabhängig davon gefällt worden.

 

 

 

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