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veröffentlicht am Sonntag, 19.09.2021

HALLOWIL.CH: Kulturstadt Wil


Im September 2018 trafen sich zahlreiche Kulturinteressierte im Hof zu Wil. Ein kontroverses Podiumsgespräch mit Publikumsbeteiligung fragte damals nach Antworten zum Thema «Sind die Weichen im Wiler Kulturleben richtig gestellt?» Hat sich die Situation seit dieser Aussprache verbessert oder verschlechtert? Wie beurteilen Wiler Kulturschaffende drei Jahre danach ihr Arbeitsklima? hallowil.ch hat nachgehakt.

Adrian Zeller

Auf dem Podium sassen damals Stefan Kreier von der Künstlergruppe Ohm 41, Florence Leonetti, Leiterin der Tonhalle Wil, Mike Sarbach, Gare de Lion und vom Kulturverein SoundSofa, Ruedi Schär, Ortsbürgerrat und Mitglied der städtischen Kulturkommission sowie Walter Dönni, Präsident der Bühne 70. Hans Suter, damals Redaktionsleiter der Wiler Zeitung, übernahm die Gesprächsleitung.

Politiker wurden vermisst 

Die Podiumsteilnehmenden stellten dem Wiler Kulturleben damals ein einigermassen befriedigendes Zeugnis aus, es gab aber teils auch harsche Kritik, zum Teil auch von Votanten aus dem Publikum. So wurden etwa Kulturangebote für 18- bis 30-Jährige vermisst, auch ein chronisches Defizit an Probelokalen und Ateliers wurde bemängelt. Die Hürden für die amtlichen Bewilligungen seien zu hoch, hiess es weiter, es herrsche zu viel Bürokratie. Dass Vertreter des Stadtparlaments sowie des Stadtrates sehr selten an Kulturveranstaltungen zu sehen seien, wurde ebenfalls bedauert. Und auch der Widerstand der Stadtregierung gegen eine Erhöhung der Beiträge an die Förderorganisation ThurKultur erntete Kritik.

Erwin Böhi, Parlamentarier: «Es muss für alle etwas dabei sein» 

Erwin Böhi, im September 2018 organisierten Sie im Hof zu Wil ein Podiumsgespräch mit dem Titel «Sind die Weichen im Wiler Kulturleben richtig gestellt?» Wie kam es damals zu dieser Veranstaltung?
"Mir fiel damals auf, dass es zwar ein aktives Kulturleben gab, dass aber eine Verzettelung herrschte und sich die einzelnen Kulturschaffenden und Kulturveranstalter oft uneinig waren und sich von der Politik zum Teil missverstanden fühlten. Nach einigen Gesprächen mit interessierten Leuten organisierte ich das Podiumsgespräch, um herauszufinden, ob mein Eindruck richtig war und wenn Ja, was man tun könnte, um etwas daran zu ändern."

Einzelne Podiumsgäste und auch Votanten aus dem Publikum äusserten sich damals kritisch zum Kulturleben in Wil. Es hiess etwa, man werde von der Fachstelle Kultur zu wenig wahrgenommen und unterstützt. Und es mangle dauerhaft an bezahlbaren Ateliers und Proberäumen. Hat sich nach Ihrer Wahrnehmung die Situation seither verbessert?
"Eindeutig verbessert hat sich die Wahrnehmung der Bedürfnisse der Kultur im Stadtparlament und im Stadtrat, auch wenn man vieles nicht von heute auf morgen ändern kann. Im Stadtparlament gibt es seither die Arbeitsgruppe Kulturpolitik, in welcher alle Fraktionen vertreten sind und die sich speziell mit Kulturfragen beschäftigt und versucht, Sachpolitik zu machen und die Parteipolitik im Hintergrund zu lassen."

Nach neusten Informationen der Stadt startet die Zwischennutzung in der Liegenschaft «zum Turm» in wenigen Monaten. Hätten Sie zur Zeit des Podiumsgesprächs gedacht, dass ein «Begegnungs-, Kultur- und Musikschulzentrum» drei Jahre später in greifbarer Nähe ist? Wie war dies möglich?
"Die Arbeitsgruppe Kulturpolitik spielte eine entscheidende Rolle, denn sie konnte die Mehrheit des Stadtparlaments davon überzeugen, den Stadtrat mit der Ausarbeitung eines Nutzungskonzepts zu beauftragen. Man wollte das Turmgebäude, das früher als Feuerwehrdepot diente, nicht weiterhin während Jahren einfach leerstehen lassen, sondern daraus etwas für die Bevölkerung machen. Der Ball liegt jetzt bei der Kommission des Stadtparlaments, die den Kreditantrag des Stadtrats prüft und zuhanden des Stadtparlaments Anträge stellen wird."

Sie haben als Kantonsrat die St. Galler Regierung angefragt, ob Wil als zweiter Aufführungsort für die St. Galler Festspiele denkbar sei. Wo sehen Sie weiteres Entwicklungspotential für die Kulturstadt Wil?
"Meine Anfrage hat ein grosses Echo ausgelöst, das ich so nicht erwartet hatte. Wichtig ist, dass Wil ein kulturelles Angebot hat, dass die gesamte Bevölkerung anspricht und nicht nur Teile davon. Es muss also für alle etwas dabei sein. Wenn wir zum Beispiel den musikalischen Bereich nehmen, dann meine ich damit das ganze Spektrum vom Jodlerfest über das «Rockamweiher» und den Gare de Lion bis zum Classic Openair und in Zukunft vielleicht sogar die Festspiele. "

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